Das schwedische Startup 120ft plant, die lokale Produktion durch den Einsatz von Roboter-Mikrofabriken in drei Versandcontainern zu revolutionieren. Das Unternehmen aus Stockholm hat bereits 576.000 Euro von 22 Angel-Investoren erhalten, um diese Fabriken zu entwickeln, die von humanoiden Robotern betrieben werden. Dies könnte die Fertigung für kleinere Marken grundlegend verändern und die Abhängigkeit von großen Produktionsstätten reduzieren.
Wichtige Punkte
- 120ft entwickelt Mikrofabriken in drei Containern für Vorbereitung, Montage, Inspektion und Verpackung.
- Marken zahlen pro fertigem Produkt, ohne eigene Roboter oder Fabriken betreiben zu müssen.
- Die Finanzierung von 576.000 Euro soll die Kommerzialisierung vorantreiben.
- Ziel ist, die Programmierzeit für eine Fertigkeit bis 2027 auf sieben Minuten zu reduzieren.
Das Konzept der Container-Mikrofabrik
Der Name 120ft leitet sich von drei 40-Fuß-Containern ab, die jeweils eine spezifische Aufgabe in der Produktionskette übernehmen. Ein Container ist für die Vorbereitung eingehender Komponenten zuständig. Ein zweiter Container konzentriert sich auf die eigentliche Montage. Der dritte Container übernimmt die Endkontrolle und das Verpacken der fertigen Produkte.
Dieses modulare System ermöglicht eine flexible und skalierbare Produktion. Die Idee ist, dass mehrere Marken diese Anlagen gemeinsam nutzen können. Dies senkt die Einstiegshürden für kleinere Unternehmen erheblich, die sonst hohe Investitionen in eigene Fertigungsanlagen tätigen müssten.
Faktencheck
- Investition: 576.000 Euro von 22 Angel-Investoren.
- Container-Anzahl: Drei 40-Fuß-Container pro Mikrofabrik.
- Zielprodukte: Zunächst starre Teile unter 5 kg, die mit Schrauben oder Presspassungen montiert werden.
Ein Service für Marken ohne eigene Fabriken
120ft bietet Marken die Möglichkeit, Produktionskapazitäten zu erwerben, ohne selbst Roboter kaufen oder eine Fabrik betreiben zu müssen. Das Unternehmen plant, die Anlagen zu besitzen und zu betreiben. Die Roboter werden unter den Kunden geteilt. Abgerechnet wird pro fertiggestelltem Produkt.
Dieses Modell ist besonders attraktiv für kleine Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik. Der Gründer und CEO, Martin Willers, war zuvor Mitbegründer des Lautsprecherherstellers Transparent und baute das Hardware-Designunternehmen People People auf. Er kennt das Problem kleinerer Marken, die oft große Produktionsaufträge erteilen müssen, bevor sie wissen, wie der Markt reagiert.
„Unser Ziel ist es, Marken die Möglichkeit zu geben, kleine Chargen lokal und kosteneffizient zu produzieren, ohne das Risiko großer Vorabinvestitionen eingehen zu müssen“, erklärt Martin Willers, CEO von 120ft.
Die lokale Montage verkürzt einen Teil des Produktionsprozesses. Komponenten können weiterhin von internationalen Lieferanten bezogen werden. Das Modell macht somit nicht die gesamte Lieferkette lokal, aber es optimiert den entscheidenden Montageschritt.
Die Technologie hinter den Containern
Die auf der Website von 120ft abgebildeten Roboter ähneln den humanoiden Robotern vom Typ Unitree G1. Dies deutet auf die Art der Hardware hin, die in der Entwicklung eingesetzt wird. Das Unternehmen selbst hat keine spezifischen Hardwarespezifikationen veröffentlicht. Es beschreibt sein Factory OS als eine Plattform, die verschiedene Roboter und Automatisierungssysteme miteinander verbindet.
Kunden reichen Teilelisten, Zeichnungen und Qualitätsanforderungen ein. 120ft wandelt diese Informationen in Produktionsanweisungen um, die zunächst in Simulationen getestet werden. Das Factory OS koordiniert dann KI-Modelle, Roboter und Automatisierungssysteme über den gesamten Montageprozess hinweg.
Hintergrund der Roboterentwicklung
Die Entwicklung humanoider Roboter macht rasante Fortschritte. Unternehmen weltweit investieren Milliarden in diese Technologie. Die Integration von KI ermöglicht es Robotern, immer komplexere Aufgaben zu lernen und auszuführen. Dies ebnet den Weg für flexible und autonome Fertigungslösungen wie die von 120ft.
Die Entwicklung der Software ist ein zentraler Aspekt. Im Jahr 2025 dauerte es sieben Wochen, eine End-to-End-Montagefertigkeit zu programmieren. Im Jahr 2026 konnte diese Zeit auf sieben Stunden reduziert werden. Das ambitionierte Ziel für 2027 sind sieben Minuten. Diese Zahlen sind eine Prognose und keine gemessenen Zeitreihen, aber sie zeigen das Potenzial für eine drastische Effizienzsteigerung.
Eine schnellere Vorbereitung von Fertigkeiten macht kleine Chargen attraktiver. Die Ausgabequalität und der Grad der menschlichen Unterstützung bestimmen letztlich die Wirtschaftlichkeit eines Produktionslaufs. Eine Demonstration umfasste die Montage einer Lampe, einschließlich eines Zylinderschlosses, des Einfädelns einer Glühbirnenfassung und eines Funktionstests.
Finanzierung und Ausblick
Die erhaltenen Finanzmittel sollen 120ft dabei helfen, die kommerzielle Produktion aufzunehmen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Weiterentwicklung der Software und der Fabrikinfrastruktur. Derzeit konzentriert sich das Unternehmen darauf, zu beweisen, dass eine gemeinsam genutzte Roboteranlage kleine Chargen zuverlässig liefern kann, sodass Marken sich darauf verlassen können.
Die Vision ist klar: Eine Zukunft, in der kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu flexiblen, robotisierten Produktionskapazitäten haben, die ihnen helfen, schnell auf Marktanforderungen zu reagieren. Die Technologie ist noch in einer frühen Phase, aber das Potenzial für die Fertigungsindustrie ist enorm.
Programmierzeitziele
- 2025: 7 Wochen pro Fertigkeit
- 2026: 7 Stunden pro Fertigkeit
- 2027 (Ziel): 7 Minuten pro Fertigkeit
Die Fähigkeit, die Programmierzeit drastisch zu verkürzen, ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit kleiner Losgrößen. Wenn eine neue Fertigkeit in wenigen Minuten programmiert werden kann, wird die Produktion von 100 oder 200 Einheiten rentabel. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Produktentwicklung und Markteinführung.
Die Zukunft der Fertigung könnte dezentraler und flexibler werden, mit Mikrofabriken, die näher am Endverbraucher produzieren. Dies reduziert Transportwege und Lieferzeiten. Es stärkt auch die lokale Wirtschaft, indem es neue Produktionsmöglichkeiten schafft.
Die Herausforderung besteht nun darin, die Technologie von der Demonstration zur zuverlässigen kommerziellen Anwendung zu bringen. Die Unterstützung durch Angel-Investoren zeigt das Vertrauen in das Modell von 120ft und seine Fähigkeit, die Fertigungslandschaft nachhaltig zu verändern.





