NVIDIA hat eine Vereinbarung zur Übernahme von Hugging Face für rund 12,93 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. Dieser Schritt markiert eine der größten Akquisitionen in der Geschichte der künstlichen Intelligenz. Das Ziel ist es, NVIDIAs massive Recheninfrastruktur mit der großen Entwicklergemeinschaft von Hugging Face zu verbinden und die Entwicklung offener, reproduzierbarer Robotik zu beschleunigen.
Wichtige Punkte
- NVIDIA erwirbt Hugging Face für 12,93 Milliarden US-Dollar.
- Hugging Face bleibt eine offene, hardwareunabhängige Plattform.
- Die Übernahme stärkt NVIDIAs Position im Bereich der physischen KI und Robotik.
- Die Akquisition soll offene Alternativen zu proprietären KI-Systemen fördern.
- Der Microduck-Roboter von Pollen Robotics (Teil von Hugging Face) spielt eine wichtige Rolle bei der Forschung.
Einigung im Milliardenbereich: Was die Übernahme bedeutet
Die Übernahme von Hugging Face durch NVIDIA ist ein bedeutender Schritt für die gesamte KI-Branche. NVIDIA, der führende Anbieter von KI-Rechenleistung, verbindet sich mit einer Plattform, die über 18 Millionen Entwickler, 3 Millionen Modelle und 200.000 Unternehmen beherbergt. Diese Kombination verspricht, die Entwicklung und Verbreitung von KI-Modellen und Robotik erheblich zu beschleunigen.
Beide Unternehmen betonen, dass Hugging Face weiterhin als unabhängige und offene Plattform agieren wird. Entwickler behalten die Freiheit, Modelle in Multi-Cloud-Umgebungen auszuführen, Nicht-NVIDIA-Beschleuniger zu nutzen und offene Modelle von jedem Anbieter zu verteilen.
"Hugging Face wird eine offene Plattform für das gesamte KI-Ökosystem bleiben", sagte Jensen Huang, Gründer und CEO von NVIDIA. "NVIDIA-Rechenleistung wird nicht erforderlich sein, um auf oder über Hugging Face zu entwickeln oder bereitzustellen."
Offenheit als Kernphilosophie
Clément Delangue, CEO von Hugging Face, sieht den Verkauf als strategischen Schritt, um offene Alternativen zu geschlossenen, proprietären KI-Systemen zu skalieren. Er betonte die Notwendigkeit von mehr Rechenleistung, Unterstützung und Zusammenarbeit, damit Open-Source-KI ihr volles Potenzial entfalten kann.
Interessanter Fakt
Die Übernahme von Hugging Face ist eine der größten in der Geschichte der künstlichen Intelligenz und unterstreicht die wachsende Bedeutung von Open-Source-Plattformen im KI-Bereich.
Vom Code zur physischen Realität: NVIDIAs Robotik-Ambitionen
Die tiefgreifendste langfristige Auswirkung dieser Übernahme könnte im Bereich der verkörperten künstlichen Intelligenz (Embodied AI) liegen. Hugging Face hat sich in den letzten zwei Jahren zu einem wichtigen Testfeld für physische KI entwickelt. Dies passt perfekt zu NVIDIAs eigenen Robotik-Ambitionen.
Bereits vor zwei Monaten haben NVIDIA und Hugging Face zusammengearbeitet. Sie standardisierten Open-Source-Robotik-Workflows, indem sie Isaac GR00T 1.7, Isaac Teleop und Isaac Lab direkt in die LeRobot-Bibliothek von Hugging Face integrierten. LeRobot hat sich schnell zur De-facto-Betriebsschicht für die Robotikforschung entwickelt.
LeRobot: Die offene Plattform für Robotik
LeRobot adressiert das Problem des physischen Datenengpasses. Es hostet große Teleoperations-Repositories wie HIW-500 und ermöglicht das Prototyping zugänglicher Hardware wie den 2.500 US-Dollar teuren 3D-gedruckten LeRobot-Humanoiden. Mit der Übernahme sichert sich NVIDIA die native Verteilung über diese Workflows.
Hintergrundinformation
LeRobot ist eine Open-Source-Bibliothek, die von Hugging Face entwickelt wurde, um die Entwicklung und Forschung im Bereich der Robotik zu vereinfachen. Sie bietet Werkzeuge für Datenspeicherung, Richtlinienausführung und Simulation.
Anstatt mit Community-Standards zu konkurrieren, kann NVIDIA nun LeRobot-Datensätze, Teleoperationsprotokolle und Reinforcement-Learning-Skripte direkt in seine Blackwell-gesteuerten Jetson Thor-Systeme und Isaac-Simulationsstacks einspeisen. Dies verspricht eine massive Beschleunigung der Robotik-Entwicklung.
Microduck: Der 399-Dollar-Sim-to-Real-Sandkasten
Hugging Faces Ambitionen im Bereich der verkörperten KI zeigen sich besonders deutlich in ihren Hardware-Projekten. Während industrielle Entwickler Millionen-Dollar-Cluster für das Training von Humanoiden einsetzen, verfolgt Pollen Robotics, eine von Hugging Face Anfang 2025 übernommene Hardware-Sparte, einen anderen Ansatz.
Der Microduck ist ein kleiner, zweibeiniger Roboter, der Ende August vorgestellt wurde und große Aufmerksamkeit erregte. Mit nur 25 cm Höhe und unter 800 Gramm Gewicht ist er für einen Einführungspreis von 399 US-Dollar erhältlich. Er ist sofort spielbar mit einem mitgelieferten Gamecontroller und dient gleichzeitig als vollwertiges Sim-to-Real-Forschungs-Testbett.
Technische Details des Microduck
- Freiheitsgrade: 15 Gelenkmotoren in Beinen, Kopf und Hals.
- Onboard-Rechenleistung: Rockchip RK3566 System-on-Chip mit dedizierter KI-Beschleunigung, 1 GB RAM, 32 GB internem Speicher.
- Wahrnehmung: Frontkamera, 8x8 Time-of-Flight-LiDAR-Sensor, zwei IMUs.
- Interaktion: Gelenkiger Schnabel für Pick-and-Place-Manipulation, zwei NFC-Antennen zur Objekterkennung.
- Stromversorgung: Austauschbare NP-F550 Kameraakkus (2.600 mAh) für etwa eine Stunde Laufzeit.
Pollen Robotics kombiniert den physischen Roboter mit einer Open-Source-Reinforcement-Learning-Pipeline. Der Roboter führt eine 50-Hz-Onboard-Policy-Schleife aus und wird mit sieben vorprogrammierten Verhaltensweisen geliefert, darunter Watscheln, Hocken, Sitzen und eigenständiges Aufrichten nach Stürzen.
Microduck-Spezifikationen
- Höhe: 25 cm
- Gewicht: Unter 800 Gramm
- Preis: 399 US-Dollar
- Motoren: 15
- Batterielaufzeit: ca. 1 Stunde
Die Simulationsressourcen, Gym-Umgebungen und Sim-to-Real-Workflows werden auf GitHub veröffentlicht. Die Auslieferungen sind für vor Weihnachten 2026 geplant. Obwohl die mechanischen CAD-Dateien proprietär bleiben, ist der Software-Stack vollständig offen für Modifikationen.
Dem Robotik-Engpass begegnen
Microduck verdeutlicht eine wichtige These in der Robotik: Man braucht keinen 50.000 US-Dollar teuren Humanoiden, um algorithmische Durchbrüche in Bewegung und dynamischem Gleichgewicht zu erzielen. Hugging Face hat bereits mit Projekten wie HOPEJr und Reachy Mini die hohen Kosten physischer Hardware in Frage gestellt.
Microduck senkt die Zugänglichkeit noch weiter. Indem der Einstiegspreis für einen dynamischen Zweibeiner auf 399 US-Dollar gesenkt wird, können Forschungslabore, Studenten und unabhängige Entwickler Reinforcement-Learning-Strategien in Simulation trainieren und auf physischer Hardware in ihren eigenen Räumen testen.
Unter dem Dach von NVIDIA könnte diese Sim-to-Real-Schleife dramatisch beschleunigt werden. NVIDIAs Simulations-Engines, wie Isaac Sim, sind seit langem auf Hochdurchsatz-Physikmodellierung für Lokomotion und taktiles Feedback spezialisiert. Die direkte Anbindung von LeRobots Trainingsumgebung und zugänglicher Hardware an NVIDIAs verteilte Rechenleistung könnte Millionen von Interaktionen von Studenten und Hobbyisten in einen sich selbst verstärkenden Daten-Flywheel verwandeln.
Offene Modelle gegen geschlossene Humanoiden
Die Akquisition schafft auch ein Gegengewicht zu den zunehmend vertikal integrierten, geschlossenen Humanoiden-Laboren. Konkurrenten wie Figure AI investieren Hunderte von Millionen, um proprietäre Pipelines aufzubauen und Millionen von Arbeitsstunden über Plattformen wie Index zu crowdsourcen, um Modelle wie Helix zu trainieren. NVIDIA verfolgt den entgegengesetzten Weg: Es verkauft die Rechenschicht an alle und besitzt gleichzeitig die offene Plattform, auf der die Robotiker der Welt zusammenarbeiten.
Das Vertrauen der Community zu erhalten, wird die zentrale Herausforderung dieses Deals sein. Das Robotik-Ökosystem hat LeRobot gerade deshalb angenommen, weil es einen Ausweg aus der Anbieterbindung und Black-Box-APIs bot. Wenn NVIDIA sein Versprechen einhält, eine hardwareunabhängige Infrastruktur, Multi-Beschleuniger-Unterstützung und eine freizügige Modellfreigabe beizubehalten, könnte Hugging Face seine Rolle als offenes Fundament der physischen KI festigen.
Ob es darum geht, hochdimensionale Manipulationsstrategien zu trainieren oder einer kleinen Plastikente das Watscheln über einen Schreibtisch beizubringen – die Zukunft der offenen Robotik läuft nun direkt über NVIDIAs Bilanz.





