Die weltweiten Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel treten in eine neue Phase ein. Nach Jahren intensiver Verhandlungen rückt nun die konkrete Umsetzung praktischer Lösungen in den Vordergrund. Dabei spielen private Investitionen und innovative Technologien eine entscheidende Rolle, um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen.
Wichtige Erkenntnisse
- Globale Investitionen in saubere Energie übersteigen fossile Brennstoffe im Verhältnis 2:1.
- Deutschland ist führend im Greentech-Sektor mit 13 % Exportanteil.
- Jährlich werden über 7 Billionen US-Dollar für die Klimatransformation bis 2030 benötigt.
- Die Einbindung der Privatwirtschaft ist entscheidend für die Finanzierung.
- Klima- und Naturschutz müssen gemeinsam angegangen werden, um Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Marktkräfte treiben den Wandel zu geringeren Emissionen voran
Unternehmen erkennen zunehmend das wirtschaftliche Potenzial grüner Technologien. Diese Erkenntnis führt zu einer spürbaren Verschiebung der Investitionen. Besonders im Cleantech-Sektor sind deutliche Fortschritte zu beobachten, die weltweit wirken.
In Deutschland, meiner Heimat, zeigt sich dieser Trend besonders stark. Der deutsche Greentech-Sektor wächst seit 2013 jährlich um fast 5 %. Das ist mehr als in jedem anderen Schlüsselbereich der deutschen Wirtschaft. Der Exportanteil Deutschlands am globalen Greentech-Markt liegt bei beeindruckenden 13 %. Dies übertrifft den allgemeinen Exportanteil des Landes von 7 % erheblich. Ein Großteil dieser Exporte geht in die Vereinigten Staaten, wo Investitionen in saubere Technologien seit Beginn dieses Jahrzehnts jedes Jahr zweistellige Wachstumsraten aufweisen.
Faktencheck: Grüne Investitionen
- 2,2 Billionen US-Dollar: Geschätzte globale Investitionen in 'saubere Energie' im Jahr 2025.
- 1,1 Billionen US-Dollar: Geschätzte globale Investitionen in fossile Brennstoffe im Jahr 2025.
- 2:1: Das Verhältnis von Investitionen in saubere Energie zu fossilen Brennstoffen.
Dieser Wandel ist nicht auf wenige Regionen beschränkt. Er ist ein globales Phänomen. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass im Jahr 2025 voraussichtlich rund 2,2 Billionen US-Dollar in 'saubere Energie' fließen werden. Dem stehen lediglich 1,1 Billionen US-Dollar für fossile Brennstoffe gegenüber. Das bedeutet, die Investitionen in saubere Energie übertreffen die in fossile Brennstoffe um das Doppelte.
Dieser Trend wird maßgeblich von der EU, den USA und China angetrieben. Seine Auswirkungen sind jedoch weltweit spürbar. In China haben sich die Investitionen in emissionsarme Elektrizität in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Sie erreichten im letzten Jahr fast 377 Milliarden US-Dollar, obwohl Kohle dort immer noch dominiert.
Wachstum in Schwellenländern
Es ist ermutigend zu sehen, dass der Investitionsfluss in saubere Energie über die EU, die USA und China hinausgeht. In einigen Schwellenländern sind die Investitionen in erneuerbare Energien, Netze und Speicher mittlerweile gleich hoch oder sogar höher als die Investitionen in fossile Brennstoffe. Dies zeigt ein breiteres Engagement für den Übergang zu einer grüneren Wirtschaft.
Auch andere Sektoren beschleunigen ihre Bemühungen. Die 'sauberen' Investitionen in der Stahlindustrie nehmen ebenfalls zu. Die realisierte emissionsarme Produktion hat sich in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts jährlich mehr als verdoppelt. Basierend auf den bereits angekündigten Investitionen wird erwartet, dass der Sektor in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts ein zweistelliges Produktionswachstum beibehält. Um diese vielversprechenden Entwicklungen zu stärken, sind weltweit zusätzliche Investitionen erforderlich.
Zusätzlicher Finanzierungsbedarf für die Transformation
Die jüngsten Daten der Climate Policy Initiative zeigen einen enormen Finanzierungsbedarf. Bis 2030 werden jährlich über 7 Billionen US-Dollar benötigt, um allein die Klimatransformation zu finanzieren. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahl die Bruttoinvestitionen betrifft. Die Nettoinvestitionen, also der wirklich neue oder zusätzliche Betrag, werden deutlich kleiner sein.
Globale Zahlen für zusätzliche Investitionen sind schwer zu ermitteln. Ein Blick auf Deutschland verdeutlicht jedoch die Dimensionen. Die jährlichen Klimainvestitionen für Netto-Null-Emissionen liegen hier bei etwas über 10 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Wenn Ersatzinvestitionen, die etwa 7 % des BIP ausmachen, vollständig klimafreundlich wären, würden die zusätzlichen Klimainvestitionen bei knapp über 3 % des BIP liegen.
Um sicherzustellen, dass diese wesentlichen zusätzlichen Investitionen fließen, benötigen wir glaubwürdige Strategien zur Mobilisierung von Finanzmitteln. Dies gilt sowohl im Inland als auch insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Hintergrund: Öffentliche Schulden
Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) liegt die Staatsverschuldung in Industrieländern bei 110 % des BIP. Vor der Finanzkrise waren es noch 71 %. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer tragen hohe Schuldendienstzahlungen, was den Spielraum für Übergangsausgaben begrenzt.
Bemühungen zur Emissionsminderung in Schwellenländern mit erheblichem Wirtschaftspotenzial bieten eine große Chance. Wenn Investitionen in konkrete Projekte gelenkt werden, können diese Regionen niedrigere Kosten für die Emissionsreduzierung bieten. Es ist jedoch wichtig, auch praktische Realitäten zu berücksichtigen. Angesichts knapper Staatshaushalte weltweit und steigender Schuldenstände sind weitere Transfers von Industrieländern an Schwellenmärkte schwierig umzusetzen, aber nicht unmöglich.
Unternehmen an Bord holen
Angesichts der finanziellen Engpässe müssen wir besser darin werden, privates Kapital zu nutzen. Dies beschleunigt den Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft. Blended Finance, eine Mischfinanzierung aus öffentlichen und privaten Mitteln, kann hier ein strategisches Instrument sein.
Ein Beispiel dafür ist die Tropical Forest Forever Facility (TFFF), eine brasilianische Initiative. Sie zielt darauf ab, 25 Milliarden US-Dollar von öffentlichen Akteuren und Philanthropen zu sammeln. Diese Mittel dienen als Basis, um weitere 100 Milliarden US-Dollar von privaten Anleiheinvestoren anzuziehen. Frankreich und Deutschland unterstützen diese Initiative bereits mit beträchtlichen Summen: Frankreich hat 500 Millionen Euro zugesagt, Deutschland das Doppelte.
„Trotz globaler Herausforderungen ist es unerlässlich, von der Verhandlung zur Umsetzung überzugehen.“
Initiativen wie diese sind wichtig. Wir müssen aber auch besser darin werden, bestehende Ressourcen zu nutzen. Gelder, die bereits zugesagt wurden, liegen oft brach. Die Vertical Climate and Environmental Funds (VCEFs) bestehen aus vier öffentlichen Fonds mit einem Gesamtvolumen von beeindruckenden 80 Milliarden US-Dollar. Sie haben eine gemeinsame jährliche Zusagekapazität von 4 bis 5 Milliarden US-Dollar. Der tatsächlich ausgezahlte Betrag liegt jedoch nur bei etwa 1,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Dies deutet auf Verbesserungsbedarf bei Verfahren und Zugang hin.
Hindernisse für private Investitionen
Internationale Investoren stoßen oft auf praktische Hürden bei Investitionen in Schwellenländern. Dazu gehören kleine Projektgrößen, fehlende lokale Finanzintermediäre und ein Mangel an investierbaren Projekten. Schlechte Kreditratings von internationalen Ratingagenturen, rechtliche Unsicherheiten und Wechselkursrisiken sind weitere Hemmnisse.
Klima und Natur gemeinsam angehen
Bisher haben wir viel über den Klimawandel gesprochen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Resilienz unserer Volkswirtschaften von einem insgesamt gesunden Planeten abhängt. Nehmen wir die Zerstörung durch Waldbrände. Diese sind aufgrund des Klimawandels häufiger und schwerwiegender geworden. Diese Brände setzen nicht nur Kohlendioxid frei, sondern verringern auch die Fähigkeit des Planeten, Kohlenstoffemissionen aufzunehmen. Dies verstärkt den Klimawandel und untergräbt die Ökosystemleistungen gesunder Wälder, wie zum Beispiel die Wasserfiltration. Viele Industrien sind auf diese Leistungen angewiesen.
Eine bevorstehende Studie der Bundesbank zeigt: Im Jahr 2024 waren mehr als die Hälfte der Bankkredite an nichtfinanzielle Unternehmen in Deutschland stark von mindestens einer wasserabhängigen Ökosystemdienstleistung abhängig. Die Pharmaindustrie ist nur ein Beispiel für diese Abhängigkeit von Ökosystemen. Über 50 % der essenziellen Medikamente, wie Antibiotika und Schmerzmittel, basieren auf Pflanzen und anderen natürlichen Quellen. Dies zeigt, dass es ohne einen gesunden Planeten keine gesunde Wirtschaft geben kann. Unser Leben, wie wir es kennen, hängt von der Natur ab.
Das Network for Greening the Financial System (NGFS), das ich leiten darf, unterstützt seine Mitglieder aktiv dabei, naturbezogene Risiken in ihre Entscheidungsfindung einzubeziehen. Wir entwickeln derzeit einen Leitfaden für die Aufsicht über naturbezogene Finanzrisiken. Dieser soll Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. Er wird bewährte Praktiken für Aufsichtsbehörden enthalten, wie diese Risiken zu verstehen sind, und Vorschläge zur Integration dieses Wissens in ihre Aufsichtsmaßnahmen.
Klimawandel und Naturverlust müssen gemeinsam angegangen werden, wenn Länder einen Weg zu Netto-Null-Emissionen finden wollen.
Fazit: Gemeinsam zum Fortschritt
Zusammenfassend möchte ich meinen Appell wiederholen: Trotz globaler Herausforderungen ist es entscheidend, von der Verhandlung zur Umsetzung überzugehen. Ich sehe mehrere Gründe für Optimismus. Erstens wächst die Erkenntnis, dass der beste Weg nach vorne in der Zusammenarbeit liegt – über Sektoren und Grenzen hinweg.
Zweitens steht die 'Koalition der Willigen' fest. Immerhin haben sich 194 Länder dazu entschieden, dem Pariser Abkommen weiterhin verpflichtet zu bleiben. Auch das NGFS hat mehrere neue Mitglieder gewonnen, selbst nachdem die Federal Reserve ihre Mitgliedschaft im Januar dieses Jahres zurückgezogen hatte. Niemand sonst ist ausgetreten.
Zudem sehe ich ein hohes Engagement von lokalen und regionalen Akteuren. In den Vereinigten Staaten haben sich beispielsweise 10 Bundesstaaten und 368 lokale Regierungen zu einer Koalition zusammengeschlossen. Sie widmen sich der Einhaltung der Prinzipien des Pariser Abkommens.
Schließlich bewegen sich die Marktkräfte bereits in Richtung geringerer Emissionen, unabhängig von globalen Verhandlungen. Lassen Sie uns auf diesem Momentum aufbauen und gemeinsam echten Fortschritt erzielen.





