Der Gresham House Energy Storage Fund (GRID), der größte Eigentümer und Betreiber von Batteriespeichersystemen (BESS) im Vereinigten Königreich, hat diese Woche seine Pläne für zukünftige Investitionen und eine neue strategische Ausrichtung bekannt gegeben. Angesichts eines herausfordernden Marktumfelds und gesunkener Unternehmensbewertungen setzt GRID auf eine Partnerschaft mit Sumitomo Corporation, um seine ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen.
Wichtige Erkenntnisse
- GRID geht eine strategische Partnerschaft mit Summit Transition Partners (STP) ein, einem von Sumitomo Corporation kontrollierten Unternehmen, um Eigenkapital für neue Projekte zu sichern.
- Die Partnerschaft finanziert fünf neue BESS-Projekte mit einer Gesamtleistung von 697 MW, beginnend mit drei Projekten von 397 MW.
- GRID diversifiziert seine Einnahmequellen, weg von der alleinigen Abhängigkeit vom National Energy System Operator (NESO), hin zu langfristigem Handel.
- Das Unternehmen plant eine Erweiterung der Speicherdauer seiner bestehenden Anlagen auf durchschnittlich zwei Stunden bis Ende 2026 und prüft 8-Stunden-Systeme.
- Trotz eines Wertverlusts im Jahr 2023 sieht das Management erhebliches Wachstumspotenzial und prüft langfristige Alternativen, falls die aktuellen Pläne nicht fruchten.
Neues Finanzierungsmodell sichert Großprojekte
GRID, gelistet an der Londoner Börse, hat eine innovative Finanzierungsstrategie vorgestellt, um seine Expansion voranzutreiben. Der Fonds, der von der Vermögensverwaltung Gresham House verwaltet wird, hat eine Partnerschaft mit Summit Transition Partners (STP) geschlossen. STP ist eine Einheit, die vom japanischen Mischkonzern Sumitomo Corporation kontrolliert wird und an der auch TPK Holding beteiligt ist.
Diese Partnerschaft wird den Großteil des Eigenkapitals für fünf neue Projekte mit einer Gesamtkapazität von 697 MW bereitstellen. Die ersten drei Projekte umfassen 397 MW, der Rest der Finanzierung wird über Fremdkapital abgedeckt. Ben Guest, der Manager des Fonds, der bereits über 1 GW an Online-Kapazität im Vereinigten Königreich betreibt, erklärte:
„Das Einbringen von externem Kapital reduziert unser benötigtes Eigenkapital erheblich. Es senkt zwar unser EBITDA, bedeutet aber einen deutlich geringeren Kapitalbedarf und de-riskiert unser Geschäft.“
Fakten zur Partnerschaft
- Partner: Summit Transition Partners (STP), kontrolliert von Sumitomo Corporation.
- Anzahl der Projekte: 5 neue BESS-Projekte.
- Gesamtkapazität: 697 MW.
- Startprojekte: 3 Projekte mit 397 MW.
James Bustin, stellvertretender Fondsmanager von GRID, ergänzte, dass diese Struktur den Wert der bereits entwickelten Projekte festigt und die Eigenkapitalrenditen von GRID steigert. Sie bildet zudem einen Rahmen für zukünftige Projekte.
Herausforderungen im britischen BESS-Markt
Wie andere börsennotierte BESS-Fonds im Vereinigten Königreich erlebte GRID im Laufe des Jahres 2023 und Anfang 2024 einen erheblichen Wertverlust. Dies war hauptsächlich auf sinkende Einnahmen im britischen Markt zurückzuführen. Die Erholung blieb bisher aus.
Ein wesentlicher Faktor für den Rückgang der Einnahmen war die geringe Nutzung von BESS im sogenannten Balancing Mechanism (BM). Die Branche hatte gehofft, dass der BM die erwarteten Rückgänge bei den Preisen für Zusatzdienstleistungen ausgleichen würde. Die Auslastung von BESS im BM war jedoch in diesem Zeitraum sehr niedrig und ist, obwohl sie sich verbessert, immer noch nicht auf dem Niveau, das die Betreiber erwarten.
Der Balancing Mechanism (BM)
Der Balancing Mechanism ist ein wichtiger Mechanismus im britischen Stromnetz, der vom National Energy System Operator (NESO) genutzt wird, um Angebot und Nachfrage in Echtzeit auszugleichen. Er soll die Netzstabilität gewährleisten, indem er Erzeuger und Verbraucher dazu anregt, ihre Einspeisung oder ihren Verbrauch anzupassen. Für BESS-Betreiber ist dies eine potenzielle Einnahmequelle.
Ben Guest ist jedoch optimistisch für die nahe Zukunft. Er erwartet, dass der nächste Monat eine Transformation der Auslastung bringen wird, da der National Energy System Operator (NESO) neue Funktionen und Software einführt. Ein entscheidender Fortschritt wird die Möglichkeit sein, den Ladezustand (State of Charge, SOC) jedes BESS im Netz sofort zu sehen. Bisher fehlte diese Transparenz, was die Betreiber zögerlicher machte, BESS im BM einzusetzen, anstatt auf konventionelle Gasstromerzeugung zurückzugreifen.
Diversifizierung der Einnahmequellen und langfristige Strategien
GRID plant, seine Einnahmequellen breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom NESO zu verringern. Ein vielversprechender, bisher ungenutzter Bereich ist der langfristige Handel. Hierbei geht es darum, Strom über längere Zeiträume in größeren Mengen an Abnehmer zu verkaufen, anstatt sich auf das typische Tagesgeschäft zu konzentrieren.
Interessanterweise ist der Erfolg dieser Strategie umgekehrt proportional zum Erfolg des kurzfristigen Handels. Während der Tageshandel von Preisspannen profitiert, geht es beim langfristigen Handel darum, das Risiko dieser Preisspannen für Kunden zu managen. Dies bedeutet, dass GRID davon profitiert, wenn diese Spannen niedrig sind.
Fokus auf Speicherdauer und Effizienz
Neben neuen Projekten investiert GRID stark in die Erweiterung bestehender Anlagen. Bis Ende 2026 wird das über 1 GW große Portfolio im Vereinigten Königreich eine durchschnittliche Speicherdauer von etwa zwei Stunden haben. Ursprüngliche Pläne für einen Markteintritt in Kalifornien wurden 2024 zugunsten der Optimierung der britischen Anlagen aufgegeben, so James Bustin.
Besondere Aufmerksamkeit widmet das Unternehmen dem Potenzial von 8-Stunden-BESS. Dies ist deutlich länger als die derzeit im Vereinigten Königreich eingesetzten Systeme, die maximal drei bis vier Stunden Speicherdauer bieten. Obwohl kein genauer Zeitplan genannt wurde, könnten die kürzlich erworbenen Projekte Ocker Hill (240 MW) und Rayleigh (480 MW) statt der ursprünglich geplanten zwei Stunden auf acht Stunden Speicherdauer ausgelegt werden. Dies würde zwar die Leistungsabgabe reduzieren, könnte aber bei der Erfassung von Strompreisspannen über längere Zeiträume helfen.
Vorteile von 8-Stunden-BESS
- Kosteneffizienz: Günstiger im Verhältnis zur Kapazität als 2-Stunden-Systeme.
- Längere Lebensdauer: Sanftere Zyklen reduzieren den Bedarf an Kühlsystemen und erhöhen die Round-Trip Efficiency (RTE) sowie die Zyklenlebensdauer.
- Neue Marktchancen: Zugang zu langfristigen Märkten wie Capacity Market (CM) und dem Long-Duration Energy Storage (LDES) Cap and Floor der britischen Regierung.
GRID hat bereits etwa 50 % seiner Portfolio-Einnahmen durch feste Gebühren oder Preisuntergrenzen abgesichert. Guest betonte, dass 8-Stunden-Systeme im Vergleich zu 2-Stunden-Systemen kostengünstiger sind, da die schonendere Zyklisierung den Bedarf an Kühlsystemen reduziert und die Effizienz sowie die Lebensdauer erhöht.
Zukünftige Perspektiven und mögliche Alternativen
Trotz der aktuellen Herausforderungen ist Ben Guest überzeugt, dass die Bewertung von GRID nicht das volle Potenzial des Unternehmens widerspiegelt.
„Wir sehen uns als Wachstumsunternehmen, werden aber nicht als solches bewertet“, sagte er.Während einer Fragerunde wurde das Management direkt mit der Frage konfrontiert, wie lange es warten würde, bevor es alternative Wege einschlägt, falls die aktuellen Pläne nicht den gewünschten Wert liefern. Dies spielte auf die Möglichkeit eines Verkaufs des Fonds an private Investoren an, ähnlich wie es Harmony Energy mit dem Harmony Energy Income Trust (HEIT) tat.
John Leggate, der Vorsitzende des GRID-Verwaltungsrats, antwortete klar:
„Wir haben einen Zeitraum, um diese Pläne wirken zu lassen. Wenn wir im Laufe des nächsten Jahres keine Ergebnisse erzielen, haben wir die Pflicht, Alternativen in Betracht zu ziehen. Im Moment konzentrieren wir uns auf diese Pläne, aber irgendwann werden wir ihren Fortschritt sicherlich überprüfen.“ Er fügte hinzu: „Man kann nie wissen, was passieren wird, und ich möchte nicht spekulieren. Wir werden uns auf unsere Arbeit konzentrieren. Diese Veranstaltungen dienen dazu, Informationen an den Markt zu geben. Wenn jemand Interesse hat, soll er unsere Daten prüfen. Sollte jemand mit einem interessanten Angebot erscheinen, wird der Vorstand dies ernsthaft prüfen.“Diese Aussage unterstreicht das Engagement des Managements, den Wert für die Aktionäre zu steigern, lässt aber auch die Tür für strategische Überlegungen in der Zukunft offen, sollte der Markt weiterhin unvorhersehbar bleiben.





