Entwickler von Batteriespeichersystemen (BESS) in den USA verzichten zunehmend auf staatliche Investitionssteuergutschriften (ITC). Der Grund sind neue Beschränkungen für ausländische Unternehmen mit Bedenken (FEOC), die vor etwa sechs Monaten in Kraft traten. Viele Unternehmen finden, dass die Kosten für die Einhaltung dieser Vorschriften den finanziellen Vorteil der Steuergutschriften übersteigen.
Wichtige Erkenntnisse
- Einige BESS-Entwickler verzichten auf die ITC, um FEOC-Compliance-Kosten zu vermeiden.
- FEOC-konforme BESS-Produkte sind bis zu 200 US-Dollar pro kWh teurer.
- Finanziers sind bei Projekten mit FEOC-Risiken sehr vorsichtig.
- Kleinere Projekte und solche mit festen Lieferfristen sind am ehesten betroffen.
- Die Unsicherheit wird als Übergangsphase gesehen, aber die endgültige Klarheit lässt auf sich warten.
Die Kosten-Nutzen-Rechnung der Compliance
Die Entscheidung, auf die Investitionssteuergutschrift zu verzichten, ist eine direkte Folge der strengen FEOC-Regeln. Diese Regeln sollen die Abhängigkeit von bestimmten ausländischen Lieferketten reduzieren. Ravi Manghani, Senior Director für strategische Beschaffung bei Anza Renewables, erklärt, dass es sich um eine reine mathematische Übung handelt.
„Man muss den Wert der ITC abwägen gegen alle zusätzlichen Kosten, die mit der Wahl einer FEOC-konformen Lösung einhergehen“, sagt Manghani. Diese zusätzlichen Kosten umfassen nicht nur teurere Geräte, sondern auch Ausgaben für die Steuerfinanzierung, Dokumentation und mögliche Projektverzögerungen.
Faktencheck: FEOC-Aufschläge
- FEOC-konforme BESS kosten zwischen 70 und 80 US-Dollar pro kWh zusätzlich.
- Für bestimmte Projektkonfigurationen können die Aufschläge sogar 150 bis 200 US-Dollar pro kWh erreichen.
- Diese Spanne hängt von der Projektgröße, den EPC-Kosten (Engineering, Procurement, Construction) und der Baustellenarbeit ab.
- Auch die Qualifikation für den Domestic Content Adder, der die ITC von 30% auf 40% erhöht, spielt eine Rolle.
Finanzielle Hürden und fehlende Klarheit
Ein weiteres großes Problem ist die Zurückhaltung von Steuerfinanzierungsgebern. Viele Investoren sind vorsichtig, wenn es um Projekte mit FEOC-Risiken geht. Dies schafft eine Finanzierungslücke, die Entwickler dazu drängen könnte, Wege ohne ITC zu wählen.
„Viele Finanziers haben sich bisher zurückgehalten und warten auf weitere Leitlinien und mehr Klarheit bezüglich der FEOC-Berechtigung“, erklärt Manghani.
Die Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass viele Steuerfinanzierungsanbieter selbst globale Operationen und historische Beziehungen zu chinesischen Unternehmen haben. Dies wirft Fragen auf, ob sie selbst als „foreign entities of concern“ eingestuft werden könnten. Die US-Regierung hat die genauen Regeln für solche Arrangements noch nicht vollständig geklärt, was die Situation weiter erschwert.
Welche Projekte sind besonders betroffen?
Bestimmte Projektsegmente sind eher geneigt, auf die ITC-Vorteile zu verzichten. Handelsprojekte ohne vertraglich gesicherte Einnahmen haben die geringsten Margen. Sie entscheiden sich am ehesten für die günstigste verfügbare Ausrüstung, unabhängig von der ITC-Berechtigung, besonders wenn die FEOC-konformen Prämien den Wert der Steuergutschrift übersteigen.
Projekte mit festen Lieferplänen, die keine Verzögerungen durch Compliance-Prozesse oder begrenzte Verfügbarkeit von FEOC-konformen Produkten tolerieren können, verzichten ebenfalls oft auf die ITC, um ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen.
Herausforderungen für kleinere Projekte
Kleinere Projekte, insbesondere im Bereich von Gewerbe und Industrie (C&I) unter 10 MWh, hatten historisch gesehen weniger FEOC-konforme Lieferoptionen. Wenn solche Produkte verfügbar waren, trugen sie oft Prämien am oberen Ende der Preisskala.
„Das ist ein Segment, das wir genau beobachten und bei dem Kunden eher bereit sind, auf die ITC zu verzichten und einfach die günstigste Lösung zu wählen“, sagt Manghani.
Im Gegensatz dazu sind Projekte mit vertraglich vereinbarten Abnahmeverträgen eher bereit, die Bedingungen mit ihren Abnehmern neu zu verhandeln. Dies geschieht, um die Kosten für FEOC-konforme Ausrüstung zu decken und die ITC in Anspruch zu nehmen, insbesondere wenn sie auch den Zuschlag für heimische Inhalte erhalten können.
Hintergrund: ITC und FEOC
Die Investitionssteuergutschrift (ITC) ist ein wichtiges Instrument zur Förderung erneuerbarer Energien in den USA. Sie bietet eine Steuergutschrift von 30% der Projektkosten, die auf 40% erhöht werden kann, wenn bestimmte Kriterien für heimische Inhalte erfüllt sind.
Die FEOC-Regeln (Foreign Entity of Concern) wurden eingeführt, um die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten zu verringern, die als Risiko für die nationale Sicherheit oder Wirtschaft angesehen werden. Sie verbieten die Nutzung von Komponenten von Unternehmen, die in bestimmten Ländern ansässig sind oder von diesen kontrolliert werden.
Übergangsphase und Ausblick
Manghani sieht die aktuelle Unsicherheit als eine Übergangsphase und nicht als eine dauerhafte Umstrukturierung des Marktes. Er zieht Parallelen zu früheren politischen Änderungen bei Anreizen für erneuerbare Energien.
„Wenn man sich alle Änderungen an der ITC-Berechtigung oder den früheren Barzuschüssen ansieht, dann hat die Branche fast immer einen Weg gefunden“, bemerkt er.
Die Zeit bis zur vollständigen Klarheit bleibt jedoch lang. Eine „Skinny Guidance“ wird für diesen Sommer erwartet, aber sie wird voraussichtlich nicht die Anforderungen an die effektive Kontrolle behandeln. Eine endgültige Leitlinie, die alle FEOC-Dimensionen abdeckt, könnte erst Ende 2026 kommen, gefolgt von einer öffentlichen Kommentierungsphase. Die endgültige Regelsetzung könnte sich bis ins Jahr 2027 ziehen.
„Viele dieser Projekte befinden sich weiterhin in der Schwebe, und Verzögerungen bei diesen Zeitplänen werden wahrscheinlich mehr Entwickler dazu drängen, die günstigste Lösung zu wählen und ganz auf die ITC zu verzichten“, fügt Manghani hinzu.
Anpassung der Lieferantenstrategien
In der Zwischenzeit passen sich die Batterielieferanten an. Viele Anlagen zur Herstellung von Elektrofahrzeugen (EV) werden für die Produktion von Energiespeichersystemen umgerüstet. Viele dieser Lieferanten strukturieren gleichzeitig ihre Eigentumsverhältnisse um, um die FEOC-Anforderungen zu erfüllen. Gleichzeitig positionieren sie ihre US-amerikanische Fertigung, um sich für die Domestic Content Adder zu qualifizieren, was potenziell eine 40%ige ITC-Berechtigung bieten könnte.
Anza arbeitet direkt mit Lieferanten zusammen, um Compliance-Dokumentationen zu überprüfen und Strategien gegen aktuelle und erwartete Leitlinien zu validieren. Dies ermöglicht es den Kunden, fundierte Beschaffungsentscheidungen bezüglich des FEOC-Status zu treffen.





