Der australische Übertragungsnetzbetreiber Transgrid plant, bis zu 900 MW netzbildende Batteriespeicher in New South Wales einzusetzen. Dies geschieht als Reaktion auf stark gestiegene Kosten für Synchrongeneratoren. Die Neuausrichtung soll die Netzstabilität sichern, während alte Kohlekraftwerke vom Netz gehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Transgrid prüft den Einsatz von 900 MW netzbildenden Batteriespeichern.
- Die Kosten für Synchrongeneratoren sind um 38% gestiegen.
- Batteriespeicher könnten zwei von fünf geplanten Synchrongeneratoren ersetzen.
- Die technische Glaubwürdigkeit der Batteriespeicher muss noch bestätigt werden.
- Bis 2030 werden 5 GW netzbildende Speicher in NSW benötigt.
Kostenexplosion bei Synchrongeneratoren zwingt zum Umdenken
Die ursprünglichen Planungen von Transgrid sahen den Einsatz von zehn Synchrongeneratoren vor, um die Systemstabilität in New South Wales zu gewährleisten. Doch die Kosten für die erste Phase von fünf Generatoren sind drastisch gestiegen. Der ursprüngliche Durchschnittspreis pro Standort lag bei 163 Millionen Australischen Dollar. Aktuell belaufen sich die Kosten auf durchschnittlich 225 Millionen Australische Dollar pro Standort. Insgesamt sind die Projektkosten für Phase 1 auf 1,13 Milliarden Australische Dollar (ca. 790 Millionen US-Dollar) angewachsen.
Diese Kostensteigerung von 38 % hat eine formelle Neubewertung der Strategie ausgelöst. Transgrid erwartet weitere Kostensteigerungen für die zweite Phase der Synchrongeneratoren. Insbesondere Lieferkettenprobleme, die durch den Konflikt im Nahen Osten verursacht wurden, tragen dazu bei. Dies zwingt den Netzbetreiber, alternative Lösungen zu prüfen.
„Die aktuelle Kostenentwicklung macht es notwendig, unsere Strategie zur Sicherung der Netzstabilität zu überdenken und innovative Technologien stärker zu berücksichtigen“, erklärte ein Sprecher von Transgrid.
Faktencheck
- Kosten Phase 1: Ursprünglich 163 Mio. AUD/Standort, jetzt 225 Mio. AUD/Standort.
- Gesamtkosten Phase 1: 1,13 Mrd. AUD (ca. 790 Mio. USD).
- Steigerung: 38% gegenüber der ursprünglichen Schätzung.
Batteriespeicher als kostengünstige Alternative
In der Neubewertung kommt Transgrid zu dem Schluss, dass drei statt fünf Synchrongeneratoren der Phase 2 ausreichen könnten. Die verbleibende Lücke in der Systemstärkung soll durch 900 MW netzbildende Batteriespeicher (BESS) gefüllt werden. Diese Batteriesysteme sind darauf ausgelegt, das Stromnetz aktiv zu stabilisieren, ähnlich wie konventionelle Kraftwerke.
Die Entscheidung hängt jedoch von der Bestätigung der technischen Glaubwürdigkeit ab. Der australische Energiemarktbetreiber (AEMO) betrachtet netzbildende BESS derzeit noch nicht als ausreichend, um die Mindestanforderungen an die Systemstärke zu erfüllen. Transgrid arbeitet eng mit der Industrie, AEMO und anderen Netzbetreibern zusammen, um diese Frage zu klären.
Ein endgültiges Statement wird voraussichtlich bis zum 24. August 2026 erwartet, nach einer einmonatigen öffentlichen Konsultation des Entwurfs.
Die Rolle netzbildender Inverter
Netzbildende Inverter sind entscheidend für die Fähigkeit von Batteriespeichern, die Netzstabilität zu unterstützen. Sie können schnell auf Störungen reagieren und die Frequenz und Spannung im Netz aktiv regeln. Dies ist besonders wichtig, da immer mehr Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.
Im Juli 2025 wurde bereits festgestellt, dass netzbildende BESS ein Kernbestandteil der effizienten Systemstärke in New South Wales sein müssen. Bis Anfang der 2030er Jahre werden voraussichtlich 5 GW solcher Speicher benötigt. Transgrid hat im März 2026 bereits neun Batterieprojekte mit insgesamt bis zu 2 GW in die engere Wahl gezogen. Diese sollen die Stabilisierungskapazität von 17 zusätzlichen Synchrongeneratoren liefern.
Hintergrundinformationen
Systemstärke bezeichnet die Fähigkeit eines Stromnetzes, stabil zu bleiben und auf Störungen wie Kurzschlüsse oder Ausfälle zu reagieren. Traditionell wird diese Stärke durch rotierende Massen in Synchrongeneratoren (z.B. in Kohle- oder Gaskraftwerken) bereitgestellt. Mit dem Ausstieg aus fossilen Energien müssen neue Technologien diese Rolle übernehmen.
Herausforderungen und Chancen
Die technische Glaubwürdigkeit der netzbildenden BESS auf dem benötigten Mindestniveau ist die zentrale offene Frage. Historisch gesehen erforderten Mindestniveau-Anforderungen synchrone Maschinen, die hochqualitative Kurzschlussströme liefern können. Ob netzbildende Batteriespeicher dies im großen Maßstab in Australien erfüllen können, muss noch bestätigt werden.
Sollte die technische Glaubwürdigkeit bestätigt werden, könnten die 900 MW netzbildenden BESS zwei der ursprünglich fünf geplanten Synchrongeneratoren der Phase 2 ersetzen. Dies würde nicht nur Kosten sparen, sondern auch den Übergang zu einem saubereren Energiesystem beschleunigen.
AEMO hat netzbildende BESS für 2026 als Priorität eingestuft. Die Technologie soll das operative Herzstück des Stromsystems in New South Wales bilden, während synchrone Erzeugung wegfällt. Aktuell verfügen bereits 74 % der 33,2 GW großen NEM-Batteriespeicher-Pipeline in Australien über netzbildende Inverter. Dies zeigt sowohl den kommerziellen Anreiz durch Systemstärkeverträge als auch eine wachsende operative Basis.
Praktische Erfahrungen und zukünftige Zeitpläne
Erfahrungen aus Projekten wie dem 250 MW/1.000 MWh Liddell BESS von AGL im Hunter Valley liefern wichtige Erkenntnisse. Hierzu gehören die Inbetriebnahme im Inselbetrieb und die Dimensionierung der Batterien. Dieses Wissen fließt nun in die Beschaffung und technische Bewertung des Transgrid-Programms ein.
Die Neubewertung berücksichtigt auch aktualisierte Zeitpläne für die Stilllegung von Kohlekraftwerken aus dem Entwurf des AEMO Integrated System Plan 2026. Einige Stilllegungen in New South Wales wurden im Vergleich zu früheren Annahmen verschoben. Dies reduziert zwar den unmittelbaren Zeitdruck für die Lieferung der Phase 2 Synchrongeneratoren, beseitigt aber nicht den grundlegenden Bedarf an Systemstärkung.
Transgrid hat zwei Szenarien für die Lieferung der Synchrongeneratoren und zwei für die Stilllegung von Kohlekraftwerken modelliert, um die Unsicherheiten abzubilden. Der angenommene Lieferzeitplan für Phase 2 wurde auf Anfang des Geschäftsjahres 2034 festgelegt, statt des ursprünglich geplanten Zeitraums von 2029 bis 2030.
Kritik an den Kosten und Forderung nach Alternativen
Die hohen Kosten des Synchrongenerator-Programms haben bereits Kritik von Verbraucherschützern hervorgerufen. Diese fordern die australische Energieregulierungsbehörde (AER) auf, zu prüfen, ob die von Transgrid geforderten 400 Millionen Australischen Dollar von den Verbrauchern im langfristigen Interesse der Stromkunden liegen. Angesichts der Kosteneskalation und der aufkommenden Rolle netzbildender BESS als potenziell kostengünstigere Alternative ist diese Prüfung von großer Bedeutung.
Die Entwicklung in New South Wales könnte ein wegweisendes Beispiel dafür sein, wie moderne Batteriespeicher die Energiewende unterstützen und gleichzeitig die Stabilität der Netze gewährleisten können. Die endgültige Entscheidung wird genau verfolgt werden, da sie weitreichende Implikationen für die zukünftige Energieversorgung in Australien hat.





