Südafrika macht einen bedeutenden Schritt in Richtung erneuerbarer Energien. Ein Konsortium aus der SOLA Group und dem Bauunternehmen WBHO hat mit Envision Energy eine Vereinbarung über die Lieferung eines Batteriespeichersystems (BESS) mit einer Kapazität von 660 MWh für das Naos-1-Projekt unterzeichnet. Dieses Projekt, das sich in der Nähe von Viljoenskroon im Freistaat befindet, gilt als die größte privat finanzierte Hybrid-Anlage für erneuerbare Energien, die im Land die Finanzierungsphase erreicht hat.
Die Anlage kombiniert 300 MW Solar-PV-Erzeugung mit dem 660 MWh Batteriespeicher. Ziel ist es, planbare erneuerbare Energie direkt an Unternehmenskunden zu liefern. Naos-1 nutzt dabei ein spezielles Modell: Die erzeugte Elektrizität wird über das nationale Netz von Eskom zu verschiedenen Abnehmern in Südafrika geleitet. So können große Unternehmen erneuerbare Energie beziehen, ohne physisch neben der Erzeugungsanlage liegen zu müssen.
Wichtige Fakten
- 660 MWh Speicherkapazität: Das Naos-1-Projekt ist das größte privat finanzierte Batteriespeichersystem in Südafrika.
- 300 MW Solarenergie: Kombiniert mit dem Speicher liefert es planbare erneuerbare Energie.
- "Wheeling"-Mechanismus: Strom wird über das nationale Netz direkt an Unternehmenskunden geliefert.
- 25-jährige Betriebsdauer: Envision Energy übernimmt Wartung und Betrieb über einen langen Zeitraum.
- Unabhängig von staatlichen Ausschreibungen: Das Projekt zeigt, dass private Investitionen in großem Maßstab möglich sind.
Ein Meilenstein für Südafrikas Energiewende
Das Naos-1-Projekt markiert einen wichtigen Fortschritt für Südafrikas Bestrebungen, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Es demonstriert, wie private Initiativen die Energielandschaft des Landes transformieren können. Die Kombination aus Solar- und Batteriespeicherlösungen bietet nicht nur saubere Energie, sondern auch eine hohe Zuverlässigkeit und Flexibilität, die für moderne Stromnetze entscheidend sind.
Envision Energy wird nicht nur das Design und die Herstellung der Systeme übernehmen, sondern auch den Betrieb und die Wartung über den gesamten Lebenszyklus des Projekts unterstützen. Ein 25-jähriger Langzeit-Servicevertrag (LTSA) zwischen Envision und der SOLA Group sichert die Betriebsphase ab. Das Unternehmen plant, sein KI-gesteuertes Energiemanagementsystem in die Batteriespeicher-Hardware zu integrieren, um die Leistung und den Einsatz über die Vertragslaufzeit zu optimieren.
„Naos-1 zeigt, wie integrierte Lösungen für erneuerbare Energien und Speicher die zukünftigen Energiesysteme neu definieren können. Sie liefern nicht nur sauberen Strom, sondern auch Zuverlässigkeit, Flexibilität und wirtschaftlichen Wert in großem Maßstab“, sagte John Lee, General Manager für Asien- und Afrika-Märkte bei Envision Energy.
Interessanter Fakt
Das "Wheeling"-Modell von Naos-1 ermöglicht es, Strom von einer großen Anlage an einem Ort über das nationale Netz an mehrere, geografisch verteilte Großkunden zu liefern. Dies unterscheidet sich vom traditionellen Modell, bei dem Strom direkt an ein Versorgungsunternehmen an einem festen Einspeisepunkt verkauft wird.
Wachsender privater Strommarkt in Südafrika
Der Naos-1-Deal passt in den expandierenden privaten Strommarkt Südafrikas. Dieser Markt ist erheblich gewachsen, seit die Regierung die Lizenzanforderungen gelockert hat. Dies ermöglicht es eingebetteten Erzeugungsprojekten, Strom direkt an gewerbliche und industrielle Kunden zu verkaufen, ohne den Umweg über Eskom gehen zu müssen.
Der von Naos-1 genutzte Wheeling-Mechanismus geht noch einen Schritt weiter. Er erlaubt es einem Großprojekt an einem Standort, Abnehmer zu bedienen, die über das gesamte nationale Netz verteilt sind. Dies geschieht auf Basis langfristiger bilateraler Verträge.
Unabhängigkeit von staatlichen Programmen
Parallel dazu läuft Südafrikas staatlich geführtes Batteriespeicherprogramm, das Battery Energy Storage Independent Power Producer Procurement Programme (BESIPPPP). In drei Ausschreibungsrunden wurden bisher insgesamt 1.744 MW und 6.976 MWh an netzgebundenen Speicherkapazitäten beschafft. Die Gewinnerprojekte liefern Kapazität und Hilfsdienste an die National Transmission Company South Africa im Rahmen von 15-jährigen Stromabnahmeverträgen.
Naos-1 operiert vollständig außerhalb dieses Rahmens. Dies unterstreicht, dass batterieintegrierte erneuerbare Energieerzeugung nun auch im privaten Sektor in großem Maßstab Kapital anzieht, ohne staatliche Beschaffungsgarantien zu benötigen. Die Größe der privatwirtschaftlichen Batteriespeicherprojekte, die in Südafrika die Finanzierungsphase erreichen, ist ebenfalls erheblich gewachsen.
Hintergrundinformation
Das Red Sands BESS-Projekt, entwickelt von Globeleq und African Rainbow Energy, wurde durch die erste BESIPPPP-Ausschreibungsrunde ausgewählt. Es erreichte Mitte 2025 den finanziellen Abschluss mit Kosten von rund 5,4 Milliarden ZAR und einer Kapazität von 153 MW / 612 MWh. Obwohl Naos-1 mit 660 MWh die Speicherkapazität von Red Sands leicht übertrifft, unterscheiden sich die Projekte in ihrer Struktur: Red Sands beliefert den Übertragungsnetzbetreiber im Rahmen eines staatlich unterstützten PPA, während Naos-1 den Strom direkt an private Unternehmenskunden liefert.
Envisions Expansion in Afrika
Envision Energy, mit Hauptsitz in Shanghai, China, beschreibt die Naos-1-Vereinbarung als einen Meilenstein für seine Expansion in Afrika. Das Unternehmen positioniert sich als vertikal integrierter Anbieter von Technologien für erneuerbare Energien. Das Portfolio umfasst Windturbinen, Batteriespeicher und eine KI-gesteuerte Energiemanagementplattform.
Außerhalb Afrikas hat Envision ein 300-MW-Hybridprojekt aus Windkraft und BESS in Nova Scotia, Kanada, geprüft. Dort führte das Unternehmen Gespräche mit der Provinz über eine langfristige Liefervereinbarung, die Offshore-Windenergie mit Batteriespeichern zur Netzstabilisierung kombiniert.
Chinesische Hersteller auf dem Vormarsch
Die Naos-1-Liefervereinbarung erweitert die Präsenz von Envision in einem Markt, in dem chinesische Hersteller zunehmend aktiv sind. Dies gilt sowohl für staatliche als auch für private Beschaffungskanäle. Das Red Sands-Projekt wählte China Energy Engineering Corporation als EPC-Generalunternehmer. Bei der dritten BESIPPPP-Ausschreibungsrunde waren chinesische Hersteller unter den Technologieanbietern der erfolgreichen Bieter prominent vertreten.
- SOLA Group: Ein südafrikanischer Entwickler für erneuerbare Energien mit einem Portfolio, das gewerbliche, industrielle und netzgekoppelte Projekte umfasst.
- WBHO: Einer der größten Bau- und Ingenieurkonzerne Südafrikas. Erfahren in der Realisierung von Infrastruktur- und Erneuerbare-Energien-Projekten auf dem gesamten Kontinent.
Diese Partnerschaft zeigt, wie internationale Zusammenarbeit und innovative Technologien Südafrika dabei unterstützen können, seine Energieziele zu erreichen und gleichzeitig eine stabile und nachhaltige Stromversorgung für die Wirtschaft zu gewährleisten.





