RWE hat die finale Investitionsentscheidung für eines der größten Batteriespeicherprojekte Deutschlands getroffen und beginnt in Kürze mit den Bauarbeiten. Das System mit einer Kapazität von 400 Megawatt (MW) und 800 Megawattstunden (MWh) wird in Lingen, Niedersachsen, errichtet und soll ab 2028 in Betrieb gehen. Dieses Projekt markiert einen bedeutenden Schritt für die Stabilität des deutschen Stromnetzes und die Integration erneuerbarer Energien.
Wichtige Fakten
- RWE baut 400MW/800MWh Batteriespeicher in Lingen.
- Baubeginn ist der 2. Februar 2024, Inbetriebnahme 2028.
- Kyon Energy hat ebenfalls einen 282MWh Speicher in Alfeld ans Netz angeschlossen.
- Projekte dieser Größenordnung sind entscheidend für die Energiewende.
Ein Meilenstein für die Energiespeicherung in Deutschland
Der Bau des Batteriespeichers in Lingen ist ein klares Zeichen für das wachsende Engagement in großskaligen Energiespeicherlösungen in Deutschland. Mit einer Leistung von 400 MW und einer Speicherkapazität von 800 MWh gehört das Projekt zu den größten seiner Art im Land. RWE plant, die Bauarbeiten am 2. Februar zu starten.
Der Standort des Speichers liegt nordöstlich des bestehenden Gaskraftwerks Emsland. Die Anlage wird aus 200 Lithium-Ionen-Batterieeinheiten, 100 Wechselrichtern sowie über 50 Mittelspannungs- und zwei Hochspannungstransformatoren bestehen. Die Anbindung an das Stromnetz erfolgt über das Umspannwerk Hilgenburg, das vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion errichtet wird.
Nikolaus Valerius, CEO von RWE Generation SE, betont die Bedeutung solcher Projekte: "Während Gaskraftwerke einspringen, wenn Wind- und Solarenergie stunden- oder tagelang keine Energie liefern, überbrücken Batterieanlagen primär kurzfristige Engpässe oder Spitzenlastzeiten. Unser neuer Batteriespeicher in Lingen wird innerhalb weniger Millisekunden Strom aufnehmen oder einspeisen, je nach Bedarf. Er wird somit einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität und zu zuverlässigen Strompreisen leisten."
Zahlen und Fakten
- Kapazität: 400 MW / 800 MWh
- Anzahl Batteriemodule: 200
- Inbetriebnahme geplant: 2028
- Standort: Lingen, Niedersachsen
Netzstabilisierung durch moderne Speichertechnologien
Das Lingener Projekt verfügt über sogenannte netzbildende Fähigkeiten. Diese sind besonders relevant, da die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber kürzlich damit begonnen haben, Trägheitsdienste zu beschaffen. Solche Dienste sind entscheidend, um die Frequenz und Spannung im Stromnetz stabil zu halten, insbesondere mit einem steigenden Anteil volatiler erneuerbarer Energien.
Batteriespeicher können extrem schnell auf Schwankungen im Netz reagieren. Sie können innerhalb von Millisekunden Strom aufnehmen oder abgeben. Dies macht sie zu einem unverzichtbaren Baustein für ein modernes, resilientes Stromnetz, das weniger auf fossile Brennstoffe angewiesen ist.
Weitere Großprojekte in Deutschland
RWE hat bereits im Oktober letzten Jahres mit dem Bau eines weiteren Großspeichers in Bayern begonnen. Dieses Projekt hat eine Kapazität von 400 MW und 700 MWh und war zum Zeitpunkt des Baubeginns das größte in Deutschland. Kurz darauf startete der Betreiber Eco Stor den Bau eines eigenen 300 MW / 700 MWh Projekts. Diese Entwicklungen zeigen einen klaren Trend zu immer größeren Batteriespeichern in Deutschland.
Hintergrund: Die Rolle von Batteriespeichern
Batteriespeichersysteme (BESS) sind entscheidend für die Energiewende. Sie speichern überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne und geben ihn bei Bedarf wieder ab. Dies hilft, die Schwankungen in der Stromproduktion auszugleichen und das Netz stabil zu halten. Sie sind eine Ergänzung zu Gaskraftwerken, die eher für längere Ausfälle konzipiert sind.
Kyon Energy schließt 282 MWh Speicher an das Netz an
Parallel zu den Bauaktivitäten von RWE hat der Entwickler und Betreiber Kyon Energy einen 137,5 MW / 282 MWh Batteriespeicher in Alfeld, Niedersachsen, an das Netz angeschlossen. Die Anbindung erfolgte über einen 110 kV Netzanschluss, wobei das Umspannwerk vom Verteilnetzbetreiber Avacon betrieben wird.
Nach dem Anschluss stehen nun Systemtests und der Probebetrieb an, bevor der volle kommerzielle Betrieb voraussichtlich im August 2026 aufgenommen wird. Obwohl Kyon Energy dies nicht explizit beansprucht, könnte dieses Projekt das größte in Deutschland sein, das diesen Meilenstein erreicht hat. Der derzeit größte kommerziell betriebene Speicher ist Eco Stors 103,5 MW / 238 MWh Projekt in Bollingstedt, Schleswig-Holstein.
Herausforderungen und Ausblick
Die Branche zeigt sich zuversichtlich angesichts dieser Großprojekte. Dennoch gibt es weiterhin regulatorische und politische Herausforderungen in Deutschland. Leandra Boes, Direktorin für Asset Management bei Green Flexibility, äußerte sich dazu im Vorfeld des Energy Storage Summit 2026 in London. Sie betonte die Notwendigkeit, diese Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, um das volle Potenzial der Energiespeicher zu entfalten.
Die jüngsten Ankündigungen, darunter auch die Projekte von LEAG mit Fluence und HyperStrong für Speicherkapazitäten von bis zu 1 GW / 4 GWh, unterstreichen den dynamischen Wandel im deutschen Strommarkt. Deutschland bewegt sich auf eine neue Ära der Energiespeicherung zu, in der Großprojekte zur Norm werden und entscheidend für eine zuverlässige und nachhaltige Energieversorgung sind.





