Neuseelands staatliches Energieunternehmen Meridian Energy hat eine vorläufige Genehmigung erhalten, die den Zugang zu den Notfall-Wasserspeicherreserven des Lake Pūkaki im Süden des Landes für drei Jahre ab Winter 2026 erleichtern soll. Diese Entscheidung könnte die Strompreise senken und die Energiesicherheit des Landes verbessern. Der Lake Pūkaki ist Neuseelands größter Stromspeicher.
Wichtige Punkte
- Meridian Energy erhält vorläufige Genehmigung für erweiterten Zugang zum Lake Pūkaki.
- Der zusätzliche Zugang umfasst rund 545 GWh Stromerzeugungskapazität.
- Die Maßnahme soll Großhandelsstrompreise um etwa 7% senken.
- Trotz Bedenken von Transpower und Genesis Energy wird die Energiesicherheit gestärkt.
- Meridian plant freiwillige Nutzungsbeschränkungen für 2026.
Erweiterter Zugang zu kritischen Reserven
Die vorläufige Genehmigung betrifft den Zugang zu Wasser zwischen 518 und 513 Metern über dem Meeresspiegel. Dies entspricht einem Volumen, bei dem Transpower, der Übertragungsnetzbetreiber, ein 4-prozentiges Risiko einer Stromknappheit schätzt. Dieses fünf Meter breite Band repräsentiert eine beträchtliche Stromerzeugungskapazität von etwa 545 Gigawattstunden (GWh).
Bisher konnte Meridian Energy diese unteren Bereiche des Sees nur nutzen, wenn Transpower eine Sicherheitswarnung auslöste. Im Winter 2025 wurde diese Schwelle trotz angespannter Marktbedingungen nicht erreicht. Die Speicher blieben ungenutzt, obwohl das System unter Druck stand. Dies führte zu unnötig hohen Preisen und verpassten Gelegenheiten zur Nutzung erneuerbarer Energien.
„Wenn der Druck so hoch ist wie im Winter 2024, macht jeder zusätzliche Meter einen großen Unterschied“, sagte Mike Roan, CEO von Meridian. „Der Zugang zu den Notfallreserven wird den Preis für im Großhandel gehandelten Strom senken, indem er die Menge an verfügbarer, kostengünstiger erneuerbarer Energie erhöht.“
Faktencheck
- Lake Pūkaki ist Neuseelands größter Stausee.
- Die zusätzliche Kapazität von 545 GWh könnte 75.000 Haushalte mit Strom versorgen.
- Die Waitaki-Wasserkraftanlage, zu der Pūkaki gehört, hat eine installierte Leistung von 1.761 MW und deckt 32% der neuseeländischen Wasserkraftkapazität ab.
Auswirkungen auf den Strommarkt und Verbraucher
Modellierungen in den Fast-Track-Antragsunterlagen zeigen, dass diese Maßnahme ausreichen könnte, um 75.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Zudem wird erwartet, dass die Großhandelsstrompreise um etwa 7 Prozent sinken. Dies liegt daran, dass die Unsicherheit über den Zugang zu den Notfallreserven beseitigt wird und eine effizientere Erzeugungsplanung möglich ist.
Meridian Energy ist überzeugt, dass dies nicht nur dem Großhandel zugutekommt, sondern auch die festen Tarife, die Einzelhändler den Privat- und Geschäftskunden anbieten, unter Druck setzen wird. Dies sei die oberste Priorität des Unternehmens, so Mike Roan.
Infrastrukturelle Anpassungen am Pūkaki-Damm
Die vorläufige Entscheidung beinhaltet auch die Genehmigung für Meridian, dauerhaft eine Steinschüttung am Pūkaki-Damm zu installieren. Diese Maßnahme ist notwendig, um den Damm vor Wellenerosion zu schützen, wenn der See auf niedrigeren Niveaus betrieben wird. Ohne diese strukturelle Sicherung wäre der erweiterte Speicherbereich nicht betriebsfähig, da die Damm-Integrität gefährdet wäre.
Hintergrund: Neuseelands Energiesicherheit
Die Genehmigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Aussichten für Neuseelands Energiesicherheit laut offiziellen Prognosen verschlechtert haben. Der Entwurf der Transpower-Beurteilung zur Versorgungssicherheit 2026 ergab, dass die nationale Winterenergiemarge Neuseelands bis 2031 unter den unteren Sicherheitsstandard fallen wird. Dies entspricht einem Defizit von 698 GWh, selbst wenn alle zugesagten und genehmigten Projekte termingerecht umgesetzt werden. Unter einem Szenario mit geringerer Gasversorgung tritt dieses Defizit bereits bis 2030 auf.
Die 545 GWh an Notfallreserven in Pūkaki könnten, wenn sie ohne Transpower-Sicherheitsauslöser zugänglich sind, den Großteil dieses prognostizierten Winterdefizits abdecken – vorausgesetzt, der See hat einen ausreichenden Wasserstand.
Kontroverse und Bedenken
Der Antrag von Meridian stieß auf Widerstand bei verschiedenen Interessengruppen. Transpower argumentierte, dass eine Lockerung des Zugangs zu den Notfallreserven einen kritischen Puffer aus dem Stromsystem entfernen und das Risiko schwerwiegender Folgen in einem trockenen Jahr erhöhen würde.
Auch der Erzeuger-Einzelhändler Genesis Energy, der mehrere Batteriespeichersysteme im Versorgungsmaßstab entwickelt, lehnte den Antrag aus ähnlichen Gründen ab. Energieminister Simeon Brown äußerte sich in einem späten Stadium schriftlich an das Expertengremium und signalisierte, dass die Regierung den Vorschlag nicht befürworte. Dies unterstreicht die Komplexität und die unterschiedlichen Perspektiven innerhalb der Energiebranche.
Im Gegensatz dazu unterstützte die Elektrizitätsbehörde den Antrag von Meridian. Sie sah ihn als einen pragmatischen Mechanismus zur Bewältigung potenzieller Energieengpässe an. Auch der Bürgermeister des Mackenzie-Distrikts, Scott Aronsen, äußerte Bedenken hinsichtlich der Dauer, die der See für die Erholung benötigen würde, sollte er in einem trockenen Jahr stark entleert werden.
Meridians freiwillige Beschränkungen und zukünftige Pläne
Meridian Energy hat die geäußerten Bedenken anerkannt. Das Unternehmen plant, die Nutzung der zusätzlichen Speicherkapazität im Jahr 2026 freiwillig zu begrenzen. Sollte die vorläufige Entscheidung bestätigt werden, will Meridian die Hälfte der fünf Meter Notfallspeicher nur dann nutzen, wenn ein erhöhtes Risiko für die Versorgungssicherheit besteht. Weitere Gespräche mit den Akteuren der Elektrizitätswirtschaft über die Verwaltung des Speicherzugangs während des dreijährigen Zeitraums sind geplant.
Parallel zur Antragstellung für die Wasserkraftspeicherung hat Meridian auch Batteriespeicherkapazitäten vorangetrieben. Im Mai letzten Jahres nahm Meridian Neuseelands erstes netzgebundenes Batteriespeichersystem an seinem Standort Ruakākā in Betrieb. Es handelt sich um ein 100 MW/200 MWh System, das von Saft geliefert wird und Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) verwendet. Diese Diversifizierung der Speichertechnologien zeigt Meridians Engagement für eine robuste und flexible Energieversorgung.





