Das australische Unternehmen MGA Thermal hat eine neue Investitionsrunde in Höhe von 17 Millionen Australischen Dollar (rund 10,5 Millionen Euro) abgeschlossen. Dieses Kapital ist für die weitere Skalierung seiner innovativen thermischen Energiespeichertechnologie vorgesehen. Mit dieser Finanzierung erreicht das Unternehmen ein Gesamtinvestment von über 50 Millionen Australischen Dollar.
Die aktuelle Runde bringt IP Group Australia als neuen Investor an Bord. Dieses auf Risikokapital spezialisierte Unternehmen arbeitet eng mit australischen und neuseeländischen Universitäten zusammen, um wissenschaftliche Forschung kommerziell nutzbar zu machen. Der bestehende Investor Main Sequence beteiligte sich ebenfalls erneut. Auch Shell gehört zu den Investoren von MGA Thermal.
Wichtige Erkenntnisse
- MGA Thermal erhält 17 Millionen AUD neue Investitionen.
- Gesamtkapital übersteigt 50 Millionen AUD.
- Fokus auf Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme.
- Technologie speichert erneuerbare Energie als Hochtemperaturwärme.
- Kürzere Amortisationszeiten für Kunden erwartet.
Revolutionäre Technologie für industrielle Wärme
MGA Thermal hat ein Elektro-Thermisches Energiespeichersystem (ETES) entwickelt. Es basiert auf speziellen thermischen Blöcken, die erneuerbare Energie als Wärme speichern und diese bei Bedarf als kontinuierlichen, industrietauglichen Dampf freisetzen können – und das rund um die Uhr.
Die patentierte MGA-Block-Technologie nutzt latente Wärme zur Energiespeicherung. Dies ermöglicht eine Langzeit-Wärmespeicherung, die nach Unternehmensangaben 200 Prozent mehr Energie liefert als herkömmliche Wärmespeichersysteme. Der Platzbedarf ist dabei bis zu 24-mal kleiner als bei Batteriesystemen.
„Industrielle Wärme ist die nächste Grenze der Dekarbonisierung – die Technologie von MGA liefert sie 24/7 zu geringeren Kosten.“
Shane Meaney von IP Group Australia wird dem Vorstand von MGA Thermal beitreten. Er betont die Bedeutung der Technologie für die Dekarbonisierung des Industriesektors. Die Investition soll das Team bei der vollständigen kommerziellen Einführung unterstützen.
Faktencheck
- Gesamtinvestition: Über 50 Millionen AUD.
- Energiedichte: 200% mehr Energie als konventionelle Systeme.
- Platzersparnis: Bis zu 24-mal kleiner als Batteriespeicher.
- Zielmarkt: Industrielle Prozesswärme, insbesondere Hochtemperaturanwendungen.
Herausforderung industrielle Prozesswärme
Die Technologie von MGA Thermal zielt auf einen der schwierigsten Bereiche der Energiewende ab: die industrielle Prozesswärme. Die Dekarbonisierung industrieller Wärmeanwendungen wird mit steigenden Temperaturanforderungen immer komplexer. Branchen, die extrem hohe Temperaturen benötigen, wie die Stahlherstellung mit oft 1.500°C bis 1.700°C, stellen besonders große Herausforderungen dar.
Im Gegensatz dazu benötigen Sektoren wie die Lebensmittel- und Getränkeverarbeitung typischerweise niedrigere Temperaturbereiche, zum Beispiel für die Sirupherstellung oder Pasteurisierung, die oft um die 70°C bis 90°C liegen. Das System von MGA Thermal ist speziell für höhere industrielle Temperaturanwendungen konzipiert. Dies unterscheidet es von Technologien wie Sandbatterien, die primär in Niedertemperatur-Fernwärmenetzen eingesetzt werden.
Beschleunigter kommerzieller Rollout
Die neuen Mittel beschleunigen den Übergang von Pilotprojekten zum vollständigen kommerziellen Rollout. MGA Thermal kann damit seine Belegschaft erweitern, Kundenprojekte beschleunigen und die Fertigungskapazitäten in den nächsten zwei Jahren ausbauen.
„Wir treten in eine Phase der schnellen Skalierung ein – wir erweitern unsere kommerziellen Fähigkeiten, steigern die Produktion und liefern Projekte, die der Industrie helfen, schnell zu dekarbonisieren.“
Mark Croudace, CEO von MGA Thermal, bezeichnet die neue Finanzierung als starke Bestätigung für sein Team und die Technologie. Die Partnerschaft mit IP Group, zusammen mit der fortgesetzten Unterstützung von Main Sequence, verschafft dem Unternehmen die globale Reichweite und das Deep-Tech-Fachwissen, das es für die nächste Wachstumsphase benötigt.
Hintergrund der Entwicklung
Bereits im April letzten Jahres stellte das Unternehmen den weltweit ersten Demonstrator für industrielle Dampfwärmespeicherung vor. Dieses Projekt bestätigte die technische Machbarkeit des MGA-Block-Systems für industrielle Anwendungen. Im Juli 2025 schloss das Unternehmen Vorstudien für Australiens größtes industrielles Wärmespeicherprojekt mit 180 MWh ab.
Der kommerzielle Erfolg wurde im letzten Monat durch eine Finanzierung von 3,25 Millionen AUD durch die Australian Renewable Energy Agency (ARENA) weiter gestärkt. Diese Mittel sind für bis zu fünf Front-End Engineering Design (FEED)-Studien für die thermische Energiespeichertechnologie vorgesehen. Die ARENA-Finanzierung, im Rahmen des Programms „Powering the Regions: Industrial Transformation Stream“, subventioniert die Kosten für FEED-Studien. Dies soll finanzielle Hürden für Industrie- und Fertigungskunden reduzieren, die Möglichkeiten zum Übergang von fossilen Brennstoffen prüfen.
Wichtigkeit der Dekarbonisierung industrieller Wärme
Darren Miller, CEO von ARENA, betonte die Bedeutung des Projekts für die Dekarbonisierung. „Die Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme ist entscheidend für Australiens Netto-Null-Übergang, bleibt aber eines der am schwierigsten zu lösenden Probleme“, so Miller.
Die FEED-Studien, die Anfang 2026 begannen, werden fünf kommerzielle Möglichkeiten mit strategischen Kunden vorantreiben. Sie sollen detaillierte technische Entwürfe, Kostenschätzungen, Lieferpläne, Risikobewertungen und kommerzielle Strategien liefern, um die Investitionsbereitschaft für Projekte zu beschleunigen. Die Studien konzentrieren sich auf Industrieanlagen mit hohem Prozesswärmebedarf, wo thermische Speicherung den Verbrauch fossiler Brennstoffe ersetzen kann. Dies soll australischen Industrien helfen, sowohl Energiekosten als auch Kohlenstoffemissionen zu senken.
Wachsender Markt und zukünftige Herausforderungen
Die Technologie von MGA Thermal operiert in einem wachsenden Markt für Lösungen zur Dekarbonisierung industrieller Wärme. Neben den thermischen Blöcken von MGA werden verschiedene auf Salzschmelze basierende thermische Energiespeichertechnologien und speziell entwickelte wärmespeichernde Ziegel kommerzialisiert, um industrielle Wärme zu dekarbonisieren. Die häufigste Anwendung dieser Technologien ist die industrielle Dampferzeugung, wobei die Schwierigkeit der Emissionsminderung mit steigenden Temperaturbereichen zunimmt.
Auf dem Energy Storage Summit Australia 2025 im März wies CEO Croudace darauf hin, dass die Dekarbonisierung des Industriesektors eine enorme Chance für Energiespeichertechnologien darstellt. Er betonte, dass der Industriesektor im Vergleich zum Wohnsektor mindestens 400 Prozent größer sei, sowohl in Bezug auf den Energieverbrauch als auch auf die Möglichkeiten.
Der erfolgreiche Demonstrator zeigt, dass die Technologie „nicht nur ein Konzept ist – sie ist eine kommerziell praktikable Lösung, die bereit für den Einsatz ist.“ Die Entwicklung war jedoch nicht ohne Herausforderungen. Im Jahr 2023 führte ein Überhitzungsvorfall in der 5MWh-Demonstrationseinheit am Standort Tomago zu einem Einsatz der Rettungsdienste. Dies sei eine Erinnerung daran, dass man an Spitzentechnologie arbeite und die Bedeutung interner Tests hervorhebe, so ein Sprecher von MGA Thermal damals.
- Zukünftige Projekte: Fünf FEED-Studien sollen die Investitionsbereitschaft beschleunigen.
- Marktpotenzial: Industriesektor 400% größer als Wohnsektor im Energieverbrauch.
- Herausforderungen: Überhitzungsvorfall 2023 unterstreicht die Notwendigkeit gründlicher Tests.





