Malawi hat einen wichtigen Schritt in Richtung einer stabilen und nachhaltigen Energieversorgung gemacht. Das Land in Südostafrika hat sein erstes großes, eigenständiges Batteriespeichersystem (BESS) in Betrieb genommen. Die Anlage in Kanengo, einem Vorort der Hauptstadt Lilongwe, verfügt über eine Leistung von 20 Megawatt (MW) und eine Speicherkapazität von 40 Megawattstunden (MWh). Energieminister Dr. Jean Mathanga leitete die feierliche Eröffnung und betonte die Bedeutung des Projekts für die Zukunft des Landes.
Wichtige Punkte
- Malawis erstes großes, eigenständiges Batteriespeichersystem (BESS) ist in Betrieb.
- Die Anlage hat eine Leistung von 20MW/40MWh und befindet sich in Kanengo, Lilongwe.
- Das Projekt soll die Netzstabilität verbessern und die Integration erneuerbarer Energien fördern.
- Die Global Energy Alliance for People and Planet (GEAPP) unterstützte das Projekt mit einem Zuschuss von 20 Millionen US-Dollar.
- Malawi strebt an, bis 2030 70% der Bevölkerung mit Strom zu versorgen.
Ein Meilenstein für Malawis Energiewende
Die Inbetriebnahme des Kanengo BESS am 24. Juli markiert einen Wendepunkt für Malawis Energiestrategie. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit zwischen der staatlichen Elektrizitätsversorgungsgesellschaft Malawis (ESCOM) und der globalen Non-Profit-Organisation Global Energy Alliance for People and Planet (GEAPP) realisiert. GEAPP stellte einen Zuschuss von 20 Millionen US-Dollar zur Verfügung, um die Kosten des Projekts zu decken.
Das Hauptziel des Batteriespeichersystems ist es, das nationale Stromnetz zu stabilisieren. Bisher war Malawi oft auf teure Dieselgeneratoren angewiesen, um Engpässe auszugleichen. Zudem soll die Anlage die Integration erneuerbarer Energien erleichtern, die zuvor aufgrund von Netzinstabilitäten oft gedrosselt werden mussten.
Faktencheck
- Leistung: 20 MW
- Speicherkapazität: 40 MWh
- Standort: Kanengo, Lilongwe, Malawi
- Kostenbeitrag GEAPP: 20 Millionen US-Dollar
- Installationsfirma: JIVO Energy
Stabilisierung des Netzes und Förderung erneuerbarer Energien
Das Kanengo BESS ist mehr als nur ein Speicher. Es ist ein zentraler Bestandteil der Energieinfrastruktur des Landes. Es ermöglicht flexiblere Stromsysteme und ein moderneres Marktdesign. Die Anlage wurde von JIVO Energy installiert, einem Unternehmen für erneuerbare Energien. JIVO Energy war verantwortlich für die Planung, Beschaffung, Installation, Prüfung und Inbetriebnahme des Systems. Das System verfügt über sogenannte grid-forming (GFM) Fähigkeiten, was bedeutet, dass es aktiv zur Stabilität des Netzes beitragen kann.
William Kayipa, CEO von ESCOM, äußerte sich begeistert über die neue Anlage:
„Heute ist weit mehr als die Inbetriebnahme eines Batteriesystems – es ist der Moment, in dem Malawis Netz intelligenter, stärker und zukunftssicher wurde. Jahrelang zwang uns die Netzinstabilität, bereits erzeugte erneuerbare Energien zu drosseln und auf kostspieligen Diesel zurückzugreifen, auf Kosten unserer Verbraucher und unserer Klimaverpflichtungen.“
Kayipa betonte, dass das Kanengo BESS diese Situation grundlegend ändern wird. Durch die sofortige Speicherung und Bereitstellung von Strom werden Versorgungsspannungen stabilisiert, Systemverluste reduziert und etwa 100 MW an erneuerbarer Erzeugung freigeschaltet, die zuvor eingeschränkt waren.
Malawis ehrgeizige Ziele für den Stromzugang
Der Zugang zu Elektrizität ist in Malawi eine drängende Herausforderung. Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 70% seiner Bevölkerung mit Strom zu versorgen. Derzeit haben nur etwa ein Viertel der 22,8 Millionen Einwohner des Landes Zugang zu Elektrizität, wobei der Prozentsatz in städtischen Gebieten deutlich höher ist.
Die Stromerzeugung in Malawi basiert hauptsächlich auf Wasserkraft und Biomasse. Die Batteriespeichertechnologie soll die zunehmende Integration variabler erneuerbarer Energiequellen (VRE) ermöglichen. Dies ist entscheidend, um das ehrgeizige Ziel der Stromversorgung zu erreichen und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Hintergrundinformationen
Das neue Projekt ist Teil des GEAPP-Programms „Grids of the Future“. Dieses Programm unterstützt Schwellenländer dabei, den Aufbau traditioneller Übertragungs- und Verteilungsinfrastrukturen zu überspringen. Stattdessen setzt es auf Digitalisierung und die Integration dezentraler Energiequellen. Dies ermöglicht eine schnellere und effizientere Elektrifizierung.
Globale Zusammenarbeit und Wissensaustausch
Das Lilongwe-Projekt ist auch Teil der Arbeit des BESS-Konsortiums, das 2023 von GEAPP und den Regierungen von elf Ländern auf der COP28-Klimakonferenz ins Leben gerufen wurde. Das Konsortium zielt darauf ab, 5 GW an BESS-Anlagen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu ermöglichen. Malawi ist eines der ersten elf Unterzeichnerländer.
Das Kanengo BESS dient als Demonstrationsprojekt. Es soll zeigen, wie Energiespeicher das Netz stärken und eine Pipeline investierbarer Speicheranlagen in Schwellen- und Entwicklungsländern (EMDEs) aufbauen können. Darüber hinaus ist ein Wissensaustausch mit dem BESS Centre of Excellence der Mzuzu University in Südafrika geplant. Dies soll die Kompetenzentwicklung und den Wissenstransfer in ganz Afrika fördern.
Weitere Speicherprojekte in Malawi
Obwohl Kanengo BESS das erste eigenständige Batteriespeichersystem in Malawi ist, gibt es bereits andere Projekte. Im Jahr 2022 nahmen der unabhängige Stromerzeuger JCM Power und der Infrastrukturinvestor InfraCo Africa das Golomoti Solar-PV- und Batteriespeicherprojekt im Distrikt Dedza in Betrieb. Golomoti kombiniert eine 28,5 MWp Solaranlage mit einem 5MW/10MWh Lithium-Ionen-BESS. Es galt als das erste Projekt dieser Art in Subsahara-Afrika.
Diese Projekte zeigen Malawis Engagement für eine nachhaltige Energiezukunft. Die Integration von Batteriespeichersystemen ist ein entscheidender Schritt, um die Energieversorgung zu sichern, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und den Zugang zu Elektrizität für eine größere Bevölkerungsgruppe zu ermöglichen.





