Die Installation von Langzeitenergiespeichern (LDES) hat im Jahr 2025 weltweit deutlich zugenommen. Trotz dieses Anstiegs stehen neue Technologien vor großen Hürden. Die Finanzierung ist zurückgegangen, und etablierte Lithium-Ionen-Batterien dominieren weiterhin den Markt. Dies erschwert es innovativen Speichersystemen, sich durchzusetzen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die LDES-Bereitstellung stieg 2025 um 49% auf über 15 GWh.
- Die Finanzierung für LDES sank um 30%, Risikokapital sogar um 72%.
- Lithium-Ionen-Batterien sind kurzfristig kostengünstiger als LDES-Alternativen.
- Marktdesign-Reformen und Technologievielfalt sind entscheidend für die Zukunft.
- China ist führend bei LDES-Bereitstellungen dank starker staatlicher Unterstützung.
Starker Anstieg bei der LDES-Bereitstellung
Im Jahr 2025 wurden weltweit über 15 Gigawattstunden (GWh) an Langzeitenergiespeichern installiert. Dies entspricht einem Anstieg von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024, als nur etwas mehr als 10 GWh bereitgestellt wurden. Dieser Zuwachs unterstreicht den wachsenden Bedarf an Energiespeicherlösungen, die über mehrere Stunden hinweg volle Leistung liefern können.
Trotz dieses beeindruckenden Wachstums war der Anstieg im Jahr 2025 deutlich geringer als der enorme Sprung von 806 Prozent, der zwischen 2023 und 2024 verzeichnet wurde. Dies deutet auf eine Verlangsamung des exponentiellen Wachstums hin, auch wenn der absolute Ausbau weiterhin robust ist.
Faktencheck
- 15 GWh+ LDES-Kapazität weltweit im Jahr 2025 installiert.
- 49% Anstieg der LDES-Bereitstellung im Vergleich zu 2024.
- 93% der globalen Bereitstellungen im Jahr 2025 entfielen auf China.
Finanzierungsprobleme und Wettbewerbsdruck
Parallel zum Anstieg der Installationen sanken die globalen Finanzierungen für Langzeitenergiespeicher im Jahr 2025 um 30 Prozent. Besonders betroffen war Risikokapital (VC), das um 72 Prozent zurückging. Dieser Rückgang der Investitionen stellt eine erhebliche Herausforderung für die Entwicklung und Skalierung neuer LDES-Technologien dar.
Der Hauptgrund für die Schwierigkeiten neuer LDES-Technologien liegt im Kostenwettbewerb mit Lithium-Ionen-Batterien. Diese sind für kürzere Entladedauern oft deutlich günstiger. In China beispielsweise kostet ein 4-Stunden-Lithium-Ionen-Batteriespeichersystem (BESS) etwa 107 US-Dollar pro Kilowattstunde (kWh).
Kostenvergleich in China
Die günstigsten LDES-Optionen in China, wie thermische Energiespeicher (TES) und Druckluftenergiespeicher (CAES), kosten im Durchschnitt 190 US-Dollar/kWh bzw. 201 US-Dollar/kWh. Dies zeigt einen deutlichen Preisunterschied, der die Markteinführung neuer Technologien erschwert.
"Emerging LDES technologies will find it difficult to achieve the sort of dramatic cost reductions achieved in lithium-ion over the past decade." – Priya Shrivastava, Wood Mackenzie
Prognosen zeigen, dass die Kosten für Vanadium-Redox-Flow-Batterien (VRFBs) bis 2034 um mehr als 30 Prozent sinken könnten. Dennoch würden sie bei 4-Stunden-Entladedauern immer noch rund 240 Prozent über den Kosten von Lithium-Eisenphosphat-Batterieprojekten (LFP) liegen.
Die Rolle von Marktdesign und Technologievielfalt
Experten fordern dringend Reformen im Marktdesign, um längere Speicherdauern stärker zu honorieren. Dies könnte durch Kapazitätsmärkte oder gezielte Beschaffungsmaßnahmen geschehen, wie sie bereits in Kalifornien, einigen australischen Bundesstaaten und Großbritannien zu beobachten sind.
Will Broad, Global Director of Policy beim Long Duration Energy Storage Council (LDES Council), betont die Notwendigkeit einer Diversifizierung der Technologien. Er argumentiert, dass Regierungen bei der Beschaffung von Energiespeichern nicht nur an Lithium-Ionen und Pumpspeicher denken sollten. Stattdessen müssten sie für die kommenden Jahrzehnte eine Vielzahl von Technologien in ihren Systemen berücksichtigen.
Hintergrund: Definition von LDES
Langzeitenergiespeicher (LDES) ist ein weit gefasster Begriff. Er beschreibt Speichersysteme, die Energie über längere Zeiträume, typischerweise 4, 6, 8 Stunden oder mehr, abgeben können. Im Gegensatz dazu sind herkömmliche Batteriespeicher oft auf kürzere Entladedauern ausgelegt. Die genaue Definition variiert je nach Markt.
Drei Gründe für Technologievielfalt
- Dauerdiversität: Energiesysteme benötigen zunehmend längere Speicherdauern. Eine alleinige Investition in kurzfristige Technologien ist riskant.
- Kostensenkungspotenzial: Viele Länder haben in die Entwicklung neuer Technologien investiert. Deren Einsatz ist notwendig, um das volle Kostensenkungspotenzial zu realisieren.
- Lieferkettendiversität: Eine Abhängigkeit von einer einzigen globalen Lieferkette birgt Risiken. Eine breitere technologische Basis erhöht die Resilienz.
Chinas Vorreiterrolle und globale Herausforderungen
China spielte 2025 eine entscheidende Rolle bei der globalen LDES-Bereitstellung. Das Land war für 93 Prozent der weltweit installierten 15 GWh verantwortlich. Diese Dominanz ist auf eine starke staatliche Politik und Unterstützung zurückzuführen, die den Ausbau von Langzeitspeichern aktiv fördert.
Ohne solche gezielten Maßnahmen werden es LDES-Technologien schwer haben, im Wettbewerb mit den etablierten Lithium-Ionen-Batterien zu bestehen. Besonders in Märkten, die nur kurze Speicherdauern wirtschaftlich bewerten, geraten sie ins Hintertreffen.
Der LDES Council und das US Electric Power Research Institute (EPRI) prognostizieren, dass die Kosten für Langzeitspeicher bis 2030 um etwa 37 Prozent sinken könnten. Treiber dieser Entwicklung sind die Skalierung der Fertigung und technologische Fortschritte. Dennoch bleibt die anfängliche Kostenlücke zu Lithium-Ionen-Batterien eine große Hürde.
Fazit: Langfristige Vision versus kurzfristige Kosten
Der Bedarf an Energiespeichern mit langer Entladedauer wächst stetig, insbesondere da Länder einen Anteil von über 50 Prozent erneuerbarer Energien bis 2030 anstreben. Unter Netto-Null-Szenarien müsste die durchschnittliche Speicherdauer global von heute etwa 2,5 Stunden auf fast 20 Stunden ansteigen.
Es ist entscheidend, dass politische Entscheidungsträger und Marktmechanismen den Wert von Langzeitspeichern und technologischer Vielfalt anerkennen. Nur so kann der Übergang zu einem stabilen, erneuerbaren Energiesystem erfolgreich gestaltet werden, ohne sich zu stark auf eine einzige Technologie zu verlassen.





