Die vollständige Integration von Solar- und Batteriespeichersystemen (BESS) in bestehende Stromnetze stellt eine zentrale Herausforderung für die Energiewende dar. Experten fordern innovative Ansätze und eine kulturelle Transformation, um das volle Potenzial dieser Technologien zu erschließen und die Netzengpässe zu reduzieren. Besonders in Großbritannien gibt es hierbei noch Nachholbedarf, während andere Länder wie Spanien bereits fortschrittlichere Modelle anwenden.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Netzbetreiber müssen ihre Modellierung von Kapazitäten modernisieren, um Batteriespeicher korrekt zu bewerten.
- Batteriespeicher können sowohl Strom erzeugen als auch aufnehmen, was derzeit oft nicht berücksichtigt wird.
- Eine kulturelle Transformation bei den Netzbetreibern ist ebenso wichtig wie technische Anpassungen.
- Spanien zeigt, wie die gemeinsame Strukturierung von Solar- und Speicherprojekten effektiv umgesetzt werden kann.
- Die britische Politik unterschätzt die Vorteile der gemeinsamen Standortnutzung von Solar und BESS.
Moderne Netzmodellierung ist entscheidend
Die aktuellen Methoden zur Modellierung der Netzkapazitäten sind oft veraltet. Trevor Wills, CEO des BESS-Entwicklers Pulse Clean Energy, betont, dass Netzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber ihre Kapazitäten moderner bewerten müssen. Er kritisiert, dass neue Anlagen, insbesondere Batteriespeicher, mit übermäßig vereinfachten Annahmen in die Systeme integriert werden.
Ein typisches Problem ist, dass Batteriespeicher oft nur als Stromerzeuger modelliert werden. Tatsächlich können sie jedoch sowohl Strom erzeugen als auch als Verbraucher agieren. Dies führt zu Missverständnissen und unnötigen Einschränkungen bei der Netzanbindung.
„Die Argumentation, die wir unter bestimmten Umständen vom Netz hören, ist, dass sie uns nicht anschließen können, weil wir bei einem massiven Überangebot im System ein Problem schaffen würden, wenn wir Strom erzeugen. Unsere Antwort ist, dass wir das nicht tun würden; wir würden einen Teil dieses Überangebots absorbieren und tatsächlich das Problem beheben, von dem sie denken, dass wir dazu beitragen werden.“
Kultureller Wandel notwendig
Sarah Honan, Leiterin des Bereichs Demand bei der Association for Decentralised Energy (ADE), hebt hervor, dass es nicht nur um technische Vorschriften geht. Sie spricht von einer notwendigen kulturellen Transformation innerhalb der Energiebranche. Die Einstellungen und Denkweisen der Akteure müssen sich ändern, um innovative Lösungen zu ermöglichen.
Das neue Regime des National Energy System Operator (NESO) in Großbritannien wird als „unglaublich liberal“ beschrieben. Dies deutet auf eine Bereitschaft hin, sich von starren Vorgaben zu lösen und ergebnisorientierter zu arbeiten, was einen positiven Schritt darstellt.
Faktencheck
- Batteriespeicher können bis zu 80% der überschüssigen Solarenergie aufnehmen.
- Die gemeinsame Standortnutzung (Co-Location) von Solar- und Batteriespeichern kann die Effizienz um 10-15% steigern.
- In vielen Ländern werden Batteriespeicher immer noch primär als Stromerzeuger behandelt, was ihr volles Potenzial einschränkt.
Spanien als Vorbild für Co-Location
Andere Märkte zeigen, wie es besser gehen kann. Trevor Wills verweist auf Spanien, das „sehr schnell in Bezug auf seine Co-Location-Struktur“ vorangekommen ist. Dort werden Solar- und Batteriespeicherprojekte oft gemeinsam strukturiert, mit einem einzigen Einnahmenvertrag. Die Batterie nimmt den Strom der Photovoltaikanlage auf und gibt ihn zu einem Zeitpunkt ab, wenn er wirklich benötigt wird.
In Großbritannien hingegen sichern sich viele Projekte einen CfD (Contract for Difference), und die Batterie arbeitet dann um dieses Profil herum. Wills sieht hierin eine verpasste Chance. Eine bessere Strukturierung könnte die Vorteile der gemeinsamen Nutzung von Technologien besser nutzen und die Netzstabilität erhöhen.
Hintergrundinformation
Co-Location bezieht sich auf die gemeinsame Installation von zwei oder mehr Energieanlagen an einem Standort, in diesem Fall Solar- und Batteriespeichersysteme. Dies ermöglicht eine effizientere Nutzung der Netzinfrastruktur und kann die Rentabilität von Projekten verbessern, indem überschüssiger Solarstrom gespeichert und zu Bedarfszeiten eingespeist wird.
Kein Wettbewerb zwischen Solar und Batterie
Tadgh Cullen, Direktor für Strommärkte bei Cero Generation, erklärt, dass Batterien und Solar-PV-Anlagen nicht um dieselbe Netzkapazität konkurrieren. Bei ihren gemeinsam genutzten Projekten wird die PV-Anlage so modelliert, dass sie ungehinderten Zugang zum Netzanschluss erhält. Dies vereinfacht die Finanzierung und Genehmigung der Projekte erheblich.
Die Idee ist, die Technologien nicht gegeneinander auszuspielen, sondern ihre Synergien zu nutzen. Trotzdem sieht Cullen keinen Markt, der dies wirklich perfekt umsetzt, obwohl Großbritannien „vieles richtig macht, aber immer noch Raum für Verbesserungen hat.“
Italienische Anreize
Cullen nennt Italien als weiteres Beispiel. Dort gibt es Programme wie Fer X, das die Bankfähigkeit von Solaranlagen verbessert und deren Bau fördert. MACSE wiederum unterstützt den Bau eigenständiger BESS-Anlagen. Das Problem bleibt jedoch, dass es keine integrierte Betrachtung gibt, wie diese beiden Technologien am besten zusammenwirken können, anstatt sie separat zu fördern.
Es fehlt an einer Politik, die die Vorteile der gemeinsamen Nutzung von Batteriespeichern und Solaranlagen wirklich versteht und entsprechende Anreize schafft. Dies würde nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Belastung des Netzes reduzieren und die Energiewende vorantreiben.
Fazit und Ausblick
Die Panelisten des Clean Power 2030 Summit sind sich einig: Es bedarf weiterer Anstrengungen, um das volle Potenzial der Co-Location von Solar- und BESS-Technologien auszuschöpfen. Eine Modernisierung der Netzmodellierung, ein kultureller Wandel bei den Betreibern und eine angepasste Politik, die die Synergien beider Technologien anerkennt und fördert, sind unerlässlich. Nur so können Netzengpässe effektiv reduziert und die Integration erneuerbarer Energien beschleunigt werden.
Länder wie Spanien zeigen, dass integrierte Ansätze funktionieren und als Vorbild dienen können. Es ist an der Zeit, dass auch andere Märkte, einschließlich Großbritanniens, diese Lektionen annehmen und ihre Strategien entsprechend anpassen.





