Firmus Technologies, ein australischer Entwickler von KI-Infrastruktur, hat einen langfristigen Energieversorgungsvertrag mit der Gunvor Group geschlossen. Dieser Vertrag sichert 600 Megawatt (MW) Strom für die geplanten „AI Factory“-Campusse in Südaustralien. Die Vereinbarung umfasst auch den Bau von 1,2 Gigawatt (GW) neuer erneuerbarer Energieerzeugung und 1,5 Gigawattstunden (GWh) Batteriespeicherkapazität bis 2032.
Dieser Schritt unterstreicht die wachsende Bedeutung einer zuverlässigen und nachhaltigen Energieversorgung für datenintensive KI-Anwendungen. Die Integration von erneuerbaren Energien und Batteriespeichern ist entscheidend für die Stabilität des Netzes.
Wichtige Punkte
- 12-Jahres-Vertrag mit Gunvor Group sichert 600 MW Strom für KI-Zentren.
- Entwicklung von 1,2 GW neuer erneuerbarer Energie und 1,5 GWh Batteriespeicher.
- Koolunga BESS mit 200 MW/800 MWh wird zentraler Bestandteil der Energieversorgung.
- Firmus wird den Stromverbrauch bei Netzengpässen reduzieren.
- Südaustralien zieht Industrieinvestitionen durch saubere Energiewende an.
Ein neues Modell der Energiebeschaffung
Der Vertrag zwischen Firmus und Gunvor stellt eine Abkehr von traditionellen Energiebeschaffungsmodellen in Australien dar. Üblicherweise decken Unternehmens-Stromabnahmeverträge (PPAs) einzelne Erzeugungsanlagen ab. Die Absicherung der Energie erfolgt dann über den Markt.
Firmus bündelt jedoch 1,2 GW neue erneuerbare Energieerzeugung und 1,5 GWh Batteriespeicher in einem einzigen 12-Jahres-Vertrag. Gunvor fungiert dabei als Zwischenhändler und übernimmt die Komplexität der Koordination mehrerer Anlagen und Risikoinstrumente.
Oliver Curtis, Co-CEO von Firmus, betonte die strategische Bedeutung der südaustralischen Standorte:
„Wir bauen unsere AI Factories im regionalen Südaustralien, weil dies die richtigen Standorte für großskalige KI-Infrastruktur und die damit verbundenen Energieinvestitionen sind. Unser Energieabkommen für Südaustralien setzt unsere Verpflichtungen in die Praxis um und unterstützt neue erneuerbare Energieerzeugung, große Batteriespeicher und eine flexible Energienutzung, die das Netz entlastet.“
Faktencheck
- Projekt Southgate: Firmus' Programm zur Entwicklung von großskaligen AI Factory-Campusen in Tailem Bend und Stirling North.
- Gesamtleistung: Die beiden Standorte repräsentieren zusammen eine geplante Kapazität von 2,7 GW.
- Vertikale Integration: Firmus beschreibt sich als vertikal integriert, von Modell bis Netz, und kombiniert proprietäre Energie- und Kühltechnologie mit KI-Cloud-Diensten.
Die Rolle von Batteriespeichern für KI
Batteriespeicher sind für die spezifischen Stromqualitätsanforderungen von KI-Recheninfrastrukturen von entscheidender Bedeutung. Analysen zeigen, dass die schnellen und unvorhersehbaren Schwankungen der GPU-Lasten bei großen Inferenz- und Trainings-Workloads Netzinstabilitäten verursachen können.
Herkömmliche Dieselgeneratoren können diese Schwankungen nicht effektiv bewältigen. Auch reine Netzanschlüsse können lokale Netze destabilisieren.
Batteriespeicher zwischen dem Netz und der Rechenzentrumslast bieten die erforderliche Millisekunden-Reaktionszeit, um diese Schwankungen auszugleichen. Dies gewährleistet eine stabile und unterbrechungsfreie Stromversorgung für sensible KI-Operationen.
Koolunga BESS als zentrales Element
Ein Kernstück der Energieversorgungsarchitektur ist das Koolunga Battery Energy Storage System (BESS) von GreenPoint Energy. Dieses netzbildende System mit 200 MW/800 MWh befindet sich in der Nähe von Brinkworth in Südaustraliens Mid North.
Firmus betrachtet Koolunga als mehr als die Hälfte seiner anfänglichen Kapazitätszusage. Dies macht den Batteriespeicher zu einem zentralen und nicht nur ergänzenden Element der Energieversorgung.
Die netzbildende Spezifikation bedeutet, dass das Koolunga BESS synthetische Trägheit und schnelle Frequenzreaktion bietet. Dies trägt neben dem Energiearbitrage zur Systemstabilität in einer Region bei, die bereits eine der höchsten Durchdringungsraten erneuerbarer Energien weltweit aufweist.
Hintergrund: Australiens Energiemarkt
Australien ist weltweit führend bei der Integration erneuerbarer Energien ins Stromnetz. Südaustralien hat hier eine Vorreiterrolle inne. Die Regierung fördert aktiv Investitionen in neue erneuerbare Energien, insbesondere im Zusammenhang mit dem Bau neuer Rechenzentren.
Die "National Data Centre Expectations" der australischen Regierung, veröffentlicht im März 2026, schreiben vor, dass neue Rechenzentren gleichzeitig mit dem Bau in neue erneuerbare Energieerzeugung investieren müssen, anstatt nur auf bestehende Netzkapazitäten zurückzugreifen. Der Firmus-Vertrag erfüllt diese Anforderung direkt.
Flexible Energienutzung und Netzstabilität
Der Vertrag beinhaltet auch eine Verpflichtung zur Laststeuerung. Firmus wird seinen Stromverbrauch um bis zu 220 Stunden pro Jahr reduzieren, wenn die Großhandelspreise bestimmte Schwellenwerte überschreiten. Dies ist ein bewusster Schritt, um den Druck auf die Großhandelspreise in Zeiten von Netzengpässen zu mindern.
Firmus behandelt seine Last somit als Netzressource und nicht nur als reinen Verbraucher. Dies zeigt ein Engagement für die Stabilität des gesamten Stromnetzes, was in Zeiten des Übergangs zu erneuerbaren Energien immer wichtiger wird.
Südaustralien als Investitionsmagnet
Der Premierminister von Südaustralien, Peter Malinauskas, begrüßte die Ankündigung. Er sieht darin einen Beweis, dass der Übergang des Staates zu sauberer Energie industrielle Investitionen anzieht.
„Südaustralien führt den Übergang zu sauberer Energie an, und dieses Projekt zeigt, wie diese Führung die Industrien der Zukunft anzieht“, sagte Malinauskas.
Die Entwicklung von 1,2 GW neuer Erzeugung und 1,5 GWh neuer Speicherkapazität, die sonst nicht existieren würden, ist ein direkter Beitrag zur Erfüllung der nationalen Anforderungen und zur Stärkung der Energieinfrastruktur des Landes.
Sicherheitsaspekte und zukünftige Entwicklungen
Mit der zunehmenden Integration von Batteriespeichern in Rechenzentren rücken auch Sicherheitsfragen in den Fokus. Fire and Rescue NSW (FRNSW) hat kürzlich eine Stellungnahme veröffentlicht, die eine feuerbeständige Bauweise von 240 Minuten für Lithium-Ionen-Batterieräume in Rechenzentren vorschreibt.
Dies ist eine Reaktion auf das unbekannte Brandverhalten von Batteriesystemen in geschlossenen Räumen. Obwohl die Standorte von Firmus in Südaustralien liegen und nicht in New South Wales, spiegelt die Position der FRNSW eine landesweite Diskussion wider. Es geht darum, wie die Schnittstelle zwischen großen Batteriespeichern und kritischer Rechenzentrumsinfrastruktur sicher zu gestalten ist.
Die Branche muss weiterhin innovative Lösungen für Brandschutz und Sicherheit entwickeln, um das volle Potenzial dieser Technologien zu nutzen.





