Der Markt für Batteriespeicherlösungen (BESS) in Europa erlebt einen bemerkenswerten Aufschwung. Jüngste Akquisitionen und Inbetriebnahme großer Projekte in Italien und Bulgarien unterstreichen die wachsende Bedeutung dieser Technologie für die Energiewende. Unternehmen investieren massiv in die Speicherung erneuerbarer Energien, um die Netzstabilität zu gewährleisten und die Integration von Solar- und Windkraft zu optimieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Encavis erwirbt erstes großes Batteriespeicherprojekt in Italien mit 65MW/260MWh Kapazität.
- OX2 expandiert in Italien mit dem Kauf von zwei 100MW/200MWh BESS-Projekten.
- Sunotec nimmt in Bulgarien ein 150MW/379MWh BESS in Betrieb und plant weitere Expansion.
- Italien und Bulgarien entwickeln sich zu Schlüsselmärkten für Energiespeicher in Europa.
- Ausschreibungen und staatliche Förderprogramme treiben das Wachstum voran.
Encavis startet mit Großprojekt in Italien
Der deutsche unabhängige Stromerzeuger (IPP) Encavis hat sein erstes großes, eigenständiges Batteriespeichersystem in Italien erworben. Das Projekt befindet sich in Ceprano, südlich von Rom, in der Region Latium. Es wird voraussichtlich eine installierte Kapazität von etwa 65 Megawatt (MW) und eine Speicherkapazität von 260 Megawattstunden (MWh) haben.
Die Inbetriebnahme des Systems ist für das Jahr 2028 geplant. Encavis hat das Projekt von ReFeel New Energy erworben, einem führenden italienischen Entwickler, der von Gresham House Europe unterstützt wird.
„Mit Ceprano realisieren wir unser erstes großes Batteriespeicherprojekt in Italien und ergänzen unser bestehendes Solarparkportfolio um ein wichtiges Flexibilitätselement“, so Mario Schirru, CEO von Encavis.
Das Unternehmen verfügt in Italien bereits über ein Solarparkportfolio von rund 420 MW. Die Erweiterung um Batteriespeicher ist ein strategischer Schritt, um die Effizienz der erneuerbaren Energien zu steigern.
Faktencheck: Italienischer Speichermarkt
Im Oktober des letzten Jahres hat der italienische Übertragungsnetzbetreiber Terna seine erste Ausschreibung für Stromspeicherkapazitäten (Meccanismo di Approvvigionamento di Capacità di Stoccaggio Elettrico – MACSE) abgeschlossen. Dabei wurden 10 GWh Kapazität zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen vergeben, wobei alle Kapazitäten im Süden des Landes kontrahiert wurden.
OX2 verstärkt Präsenz in Apulien
Der schwedische Erneuerbare-Energien-Entwickler OX2 hat ebenfalls in den italienischen Speichermarkt investiert. Das Unternehmen erwarb zwei eigenständige Energiespeicherprojekte in der Region Apulien, im Süden Italiens, von Hanwha Energy Europe. Jedes dieser Projekte hat eine Kapazität von 100 MW und 200 MWh.
OX2 entwickelt derzeit in Italien Projekte mit einer Gesamtleistung von 1,5 GW. Diese umfassen Solaranlagen, Batteriespeichersysteme und Onshore-Windparks. Der Kauf der beiden neuen Projekte ist ein wichtiger Schritt für die weitere Expansion von OX2 auf dem italienischen Markt.
„Diese Akquisition ist eine wesentliche Ergänzung unseres Energiespeicherportfolios in Italien“, erklärte Paolo Tusa, Country Manager bei OX2 Italien. „Sie markiert einen weiteren Schritt in der kontinuierlichen Expansion von OX2 auf dem italienischen Markt in den Bereichen Onshore-Wind, Solar und Energiespeichertechnologien.“
Neben den europäischen Aktivitäten hat OX2 auch in Australien zahlreiche Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Energiespeicher entwickelt. Im Mai schloss das Unternehmen den Bau einer 135 MW/300 MWh Solar-plus-Speicheranlage in New South Wales ab.
Bulgarien wird zum Hotspot für Batteriespeicher
Auch in Osteuropa schreitet der Ausbau der Batteriespeicherinfrastruktur voran. Der BESS-Systemintegrator Sunotec hat in Bulgarien eine 150 MW/379 MWh große Batteriespeicheranlage in Betrieb genommen. Dies ist die zweite operative Anlage des Unternehmens im Land.
Die Anlage befindet sich in der Nähe von Brusartsi im Nordwesten Bulgariens. Sie ist Teil einer operativen Zusammenarbeit zwischen Sunotec und dem Optimierungs- und Energiehandelsunternehmen GEN-I. Bereits im Vormonat wurde eine 126 MWh große BESS-Anlage in Byala Slatina in Betrieb genommen.
GEN-I übernimmt das kommerzielle Management beider Anlagen, verbindet sie mit den Strom- und Ausgleichsmärkten und optimiert ihre Leistung. Sunotec plant, in den nächsten 12 Monaten weitere neun BESS-Projekte mit einer Kapazität von 95 MW/782 MWh in Bulgarien ans Netz zu bringen.
Hintergrund: Sunotecs Strategie in Bulgarien
Bulgarien ist für Sunotec ein wichtiger Fokusmarkt. Dies resultiert aus einer strategischen Vereinbarung, die das Unternehmen letztes Jahr mit dem chinesischen PV-Wechselrichter- und BESS-Produzenten Sungrow getroffen hat. Der Deal umfasst die Lieferung von BESS-Systemen im Umfang von 2,4 GWh durch Sungrow an Sunotec-Projekte in ganz Europa, einschließlich Bulgarien. Einige der Sunotec-Anlagen in Bulgarien wurden in ein neues staatliches Förderprogramm aufgenommen, das ein Volumen von 1,15 Milliarden BGN (ca. 670 Millionen US-Dollar) hat.
Warum Energiespeicher entscheidend sind
Die rasche Entwicklung und Implementierung von Batteriespeichersystemen ist von entscheidender Bedeutung für die Energiewende. Erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft sind wetterabhängig und produzieren nicht immer dann Strom, wenn er am dringendsten benötigt wird. Energiespeicher helfen, diese Schwankungen auszugleichen und eine konstante Stromversorgung zu gewährleisten.
Sie ermöglichen es, überschüssigen Strom zu speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen. Dies erhöht die Netzstabilität und reduziert die Notwendigkeit, fossile Brennstoffe zur Abdeckung von Spitzenlasten einzusetzen. Der Ausbau von BESS-Anlagen ist somit ein zentraler Baustein für ein nachhaltiges und resilientes Energiesystem.
Experten betonen, dass Speicher zukünftig eine zentrale Rolle bei der effizienten Integration erneuerbarer Energien in das Energiesystem spielen und zusätzliches Wertschöpfungspotenzial erschließen werden. Die aktuellen Investitionen in Italien und Bulgarien sind klare Zeichen dafür, dass Europa diese Technologie ernst nimmt und massiv in ihre Zukunft investiert.
- Netzstabilisierung: BESS-Systeme gleichen Schwankungen bei der Stromerzeugung aus.
- Effizienzsteigerung: Überschüssiger Strom kann gespeichert und bei Bedarf genutzt werden.
- Kostenreduktion: Weniger Bedarf an Spitzenlastkraftwerken durch fossile Brennstoffe.
- Förderung der Energiewende: Ermöglicht eine höhere Integration erneuerbarer Energien.
Die Entwicklungen in Italien und Bulgarien zeigen, dass die europäischen Länder aktiv daran arbeiten, ihre Energieinfrastruktur zukunftsfähig zu gestalten. Mit weiteren Projekten in der Pipeline wird die Rolle der Batteriespeicher in den kommenden Jahren weiter zunehmen.





