Die Europäische Kommission hat ihren finalen Elektrifizierungs-Aktionsplan vorgestellt. Dieser Plan sieht vor, dass die EU bis zum Jahr 2030 eine Energiespeicherkapazität von 200 Gigawatt (GW) erreichen muss. Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber den aktuellen Kapazitäten und unterstreicht die zentrale Rolle der Speicherung für die Energiewende.
Wichtige Erkenntnisse
- Die EU strebt 200 GW Energiespeicher bis 2030 an.
- Bis 2050 soll die Kapazität auf 500 GW steigen.
- Der Plan erkennt verschiedene Speichertechnologien an.
- Doppelte Netzentgelte für Speicher sollen vermieden werden.
- Elektrifizierung ist zentral für Europas Energieunabhängigkeit.
Ambitionierte Ziele für die europäische Energiewende
Der nun veröffentlichte Aktionsplan bestätigt die bereits in der Vorwoche bekannt gewordenen, ehrgeizigen Ziele. Bis 2030 soll die installierte Energiespeicherkapazität in der Europäischen Union auf 200 GW anwachsen. Dies stellt einen massiven Sprung dar, wenn man bedenkt, dass die Kommission für 2026 noch von 55 GW ausgeht.
Langfristig sind die Ziele noch höher gesteckt: Bis zum Jahr 2050 sollen sogar 500 GW Energiespeicherkapazität zur Verfügung stehen. Diese Zahlen verdeutlichen, wie ernst es der EU ist, die Energieversorgung zu dekarbonisieren und unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden.
Faktencheck Energiespeicher
- Ziel 2030: 200 GW
- Ziel 2050: 500 GW
- Basis 2026: 55 GW
- Steigerung 2026-2030: Fast 400%
Vielfalt der Technologien ist entscheidend
Die europäische Handelsorganisation Energy Storage Europe (ESE) begrüßt den Aktionsplan und die darin enthaltenen Speicherziele ausdrücklich. Die ESE betont, dass der Plan die Notwendigkeit einer breiten Palette von Technologien anerkennt. Dazu gehören Batteriespeicher, thermische Speicher und Langzeit-Energiespeicher (LDES).
Diese Vielfalt ist wichtig, um die unterschiedlichen Anforderungen des Energiesystems zu erfüllen. Kurzfristige Schwankungen im Netz können Batterien abfangen, während Langzeitspeicher dazu beitragen, saisonale Unterschiede in der erneuerbaren Energieerzeugung auszugleichen.
„Der nächste Schritt ist, diese positiven Signale in konkrete Maßnahmen zur Umsetzung zu übersetzen. Während sektorspezifische Fahrpläne gut sind, um die Bedürfnisse einzelner Industrien zu adressieren, ist Energiespeicherung anders: Sie ist eine übergreifende Infrastruktur, die die Elektrifizierung in Gebäuden, Verkehr, Industrie und Netz untermauert.“
– Statement von Energy Storage Europe
Herausforderungen und nächste Schritte
Trotz der positiven Signale weist die ESE auf die Notwendigkeit konkreter Maßnahmen hin. Energiespeicherung ist keine Insellösung, sondern eine Querschnittstechnologie. Sie verbindet und ermöglicht die Elektrifizierung in allen Sektoren – von Haushalten über den Verkehr bis zur Industrie und dem Stromnetz.
Die Kommission arbeitet an sektorspezifischen Fahrplänen. Die ESE schlägt vor, diese durch einen „Europäischen Fahrplan für den Einsatz von Energiespeichern“ zu ergänzen. Dieser soll gezielte regulatorische, marktbezogene und investitionspolitische Maßnahmen bündeln, um den Speicherausbau zu beschleunigen.
Hintergrund der EU-Strategie
Der Aktionsplan ist Teil der umfassenden Bemühungen der EU, Europa zu einem globalen Vorreiter für saubere Energie zu machen. Weitere Ziele sind die Senkung der Energiekosten für Verbraucher und die Verringerung der Abhängigkeit von geopolitisch beeinflussten fossilen Brennstoffen. Ein indikatives Elektrifizierungsziel von 46% bis 2040 wird derzeit geprüft.
Barrieren abbauen: Netzentgelte und Anreize
Ein zentraler Punkt des Aktionsplans ist die Beseitigung von Hindernissen, die einer großflächigen Elektrifizierung und Dekarbonisierung entgegenstehen. Dazu gehören netzbezogene Herausforderungen, die Skalierung von Technologien und das Fehlen von Anreizen für Verbraucher. Auch die Verringerung der Preisdifferenz zwischen Strom und fossilen Brennstoffen ist ein Ziel.
Besonders hervorzuheben ist der Vorschlag, die doppelte Berechnung von Netzentgelten für Energiespeicher zu vermeiden. Speicher werden oft sowohl als Verbraucher als auch als Erzeuger betrachtet, was zu einer doppelten Belastung führen kann. Dies stellt eine erhebliche Barriere dar.
Die ESE begrüßt diesen Punkt. Sie fordert jedoch, dass das Prinzip einer klaren und durchsetzbaren Regel für die Mitgliedstaaten wird. In der Vergangenheit stand in Deutschland ein mögliches Ende einer Ausnahme für Speicher bei den Netzentgelten kurz davor, den Markt vollständig lahmzulegen.
Konkrete Maßnahmen gegen doppelte Netzentgelte
- Vermeidung der doppelten Belastung für Energiespeicher.
- Mitgliedstaaten sollen die Möglichkeit erhalten, Netzentgelte für bestimmte Gruppen zu reduzieren.
- Forderung nach einer klaren, EU-weiten Regelung.
Der Plan folgt einer ersten trilateralen Einigung der EU im Juni, die bereits einen Speicherausbau von 30-35 GW bis 2028 vorsah. Der nun vorliegende Aktionsplan geht deutlich darüber hinaus und setzt neue Maßstäbe für die Energiewende in Europa.





