China hat Berichten zufolge die Genehmigung neuer Projekte zur Herstellung von Energiespeichern vorübergehend ausgesetzt. Dieser Schritt könnte weitreichende Folgen für den globalen Markt haben und zielt offenbar darauf ab, einen Preiskampf zu verhindern, wie er bereits in der Solar- und Elektrofahrzeugbranche beobachtet wurde.
Wichtige Erkenntnisse
- China setzt Genehmigungen für neue Energiespeicher-Produktionsprojekte aus.
- Der Schritt folgt einem Rückgang der Batteriespeicher-Installationen und der Einführung einer Verkaufssteuer auf Lithium-Ionen-Zellen in China.
- Experten sehen dies als Versuch, einen Preiskampf zu vermeiden.
- Die globale Batterienachfrage übertraf im Jahr 2023 erstmals ein Terawattstunde und wächst weiterhin rasant.
- Neue Technologien wie Natrium-Ionen-Batterien gewinnen an Bedeutung, stehen aber vor unterschiedlichen Herausforderungen.
Chinas Strategie gegen Überkapazitäten
Die Entscheidung Chinas, neue Genehmigungen für die Herstellung von Energiespeichern zu pausieren, kommt nach einem erstmaligen Rückgang der Batteriespeicher-Installationen im Land. Dies geht aus Berichten des chinesischen Finanznachrichtendienstes Cailianshe hervor, die von Reuters aufgegriffen wurden. Ergänzend wurde kürzlich eine Verkaufssteuer auf Lithium-Ionen-Zellen eingeführt.
„Dieser Schritt soll wahrscheinlich einen ähnlichen Preiskampf verhindern, wie er bei Solar- und EV-Zellen zu beobachten war“, erklärte James Frith, Principal bei Volta Energy Technologies, einem Investor im Bereich Energietechnologien.
Die chinesische Regierung scheint damit auf die Gefahr von Überkapazitäten zu reagieren, die in anderen Sektoren bereits zu erheblichen Preisrückgängen geführt haben. Dies könnte die heimische Industrie stabilisieren und die Profitabilität der Hersteller sichern.
Faktencheck
- 60% der globalen Nachfrage nach Batteriespeichern im Jahr 2025 entfielen auf China.
- Im Jahr 2026 sank Chinas Anteil auf 37% der weltweiten Nachfrage.
- Die globale Batterienachfrage übertraf im Jahr 2023 erstmals eine Terawattstunde.
Die Vielfalt der Energiespeicher-Technologien
Abseits der aktuellen Marktregulierung in China entwickelt sich der Energiespeichersektor dynamisch weiter. Insbesondere Natrium-Ionen-Batterien (Na-Ion) rücken zunehmend in den Fokus. Kowtham Raj VS, Leiter für strategische Technologiepartnerschaften bei Larsen & Toubro, betonte jedoch, dass nicht alle Na-Ion-Batterien gleich sind.
Es gibt mindestens vier vielversprechende Ansätze für die Zukunft der Natrium-Ionen-Technologie:
- Schichtoxide (NMF): Hohe Energiedichte, potenziell für EV-Anwendungen geeignet.
- NFPP: Geringste Kosten, höchste Sicherheit und längste Lebensdauer für Netzanwendungen.
- NVPF: Hohe Spannung und Leistung, geeignet für spezielle Premium-Anwendungen.
- Preußischblau-Analoga (PBA): Basierend auf reichlich vorhandenen Materialien, ermöglichen schnelles Laden, stehen aber vor Herstellungsproblemen.
Diese Vielfalt unterstreicht die intensiven Forschungs- und Entwicklungsbemühungen, um die nächste Generation von Energiespeicherlösungen zu finden, die sowohl kosteneffizient als auch leistungsstark sind.
Globale Entwicklungen und Herausforderungen
Die Notwendigkeit von Energiespeichern wird weltweit immer deutlicher. In Australien hat die Waratah Super Battery in New South Wales nach anfänglichen Problemen mit einem Transformator ihre volle Leistung wieder erreicht. Nick Carter, CEO von Akaysha Energy, dem Betreiber der Anlage, bestätigte erfolgreiche Tests bei 700 MW.
Indien zeigt ebenfalls ein wachsendes Engagement: Die Central Electricity Authority (CEA) schlägt vor, dass neue Solar- und Onshore-Windprojekte Energiespeicher in Höhe von mindestens 10% der Projektkapazität für zwei Stunden installieren müssen. Neeraj Kumar Singal, Gründer von Semco Infratech, sieht darin eine große Implikation: Speicher werden als unverzichtbare Infrastruktur anerkannt.
Hintergrund: Langzeit-Energiespeicher
Die Industrie ist sich einig, dass Langzeit-Energiespeicher (LDES) mit Kapazitäten von 8, 10 oder 12 Stunden dringend benötigt werden. Dennoch werden meist nur 4-Stunden-Batterien gebaut. Raafe Khan von der Camelot Energy Group weist auf strukturelle Probleme hin: Die zusätzlichen Investitionskosten für längere Speicherdauer führen zu einem vergleichsweise geringen zusätzlichen Ertrag, was die Attraktivität für Investoren mindert.
Regulierungslandschaft und erneuerbare Energien
In den USA gibt es weiterhin Herausforderungen bei der Entwicklung erneuerbarer Energien. Eine Studie des Sabin Center for Climate Change Law ergab, dass in 48 US-Bundesstaaten 888 staatliche und lokale Gesetze die Entwicklung erneuerbarer Energien einschränken. Die ehemalige CEO der Solar Energy Industries Association (SEIA), Abigail Ross Hopper, fordert die Branche auf, bessere Vereinbarungen mit Gemeinden zu treffen und ihre politische Macht auszubauen.
Auch die Entwicklung von Rechenzentren, die einen hohen Energiebedarf haben, steht im Fokus. Die ehemalige US-Energieministerin Jennifer Granholm lobte die Führung des Gouverneurs von Massachusetts, Laura Healey, die einen Rahmenplan für Rechenzentren über 25 MW Leistung eingeführt hat. Dieser Plan schreibt vor, dass solche Rechenzentren genügend neue, saubere Energie bereitstellen oder finanzieren müssen, um ihren Stromverbrauch zu decken, und für die benötigte Netzinfrastruktur selbst aufkommen sollen.
Die globale Batterienachfrage hat sich seit 2023 rasant entwickelt. Iola Hughes, Forschungsleiterin bei Benchmark Mineral Intelligence, berichtete, dass es 2026 nur sieben Monate dauerte, bis die Nachfrage die Terawattstunden-Marke überschritt. Obwohl die Nachfrage nach Batterien für Energiespeichersysteme (BESS) im Jahresvergleich um 28% stieg, sank Chinas Anteil an der globalen BESS-Nachfrage von 60% im Jahr 2025 auf 37% im Jahr 2026.
Diese globalen Trends zeigen, dass der Energiesektor an einem Wendepunkt steht. Während die Nachfrage nach Speichern steigt und neue Technologien vielversprechend sind, erfordern politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine ständige Anpassung, um nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten.





