Brasilien hat einen wichtigen Schritt in Richtung einer stabileren Energieversorgung gemacht. Die nationale Elektrizitätsagentur ANEEL genehmigte das erste gekoppelte Solar- und Batteriespeichersystem des Landes. Dieses Projekt markiert einen Wendepunkt für die Integration erneuerbarer Energien in das brasilianische Stromnetz.
Wichtige Erkenntnisse
- Brasilien genehmigt erstes gekoppeltes Solar- und Batteriespeichersystem.
- Das Projekt befindet sich in Bahia und hat eine Kapazität von 1MW/5MWh.
- ANEEL-Direktor Sandoval Feitosa sieht Batteriespeicher als kurz- und mittelfristige Lösung für variable erneuerbare Energien.
- Die Regulierung von Energiespeichern in Brasilien bleibt weiterhin unklar.
- 84,81% der überwachten Stromkapazität Brasiliens stammen aus erneuerbaren Quellen.
Ein Meilenstein für erneuerbare Energien
Die Genehmigung erfolgte Anfang April und betrifft ein Batteriespeichersystem (BESS) mit einer Leistung von 1 Megawatt (MW) und einer Speicherkapazität von 5 Megawattstunden (MWh). Es wird an die bestehende Solaranlage Sol de Brotas 7 angeschlossen. Diese Anlage gehört zu einem Komplex von sieben Solarkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 228 MW, die von einem Tochterunternehmen des europäischen Energiekonzerns Statkraft im Nordosten Brasiliens betrieben werden.
Das Projekt befindet sich in der Gemeinde Uibai im Bundesstaat Bahia. Es wird Lithium-Ionen-Batterien nutzen, um Strom zu speichern und bei Bedarf ins Netz einzuspeisen. Ein 2,3 MW Leistungsumwandlungssystem (PCS) mit einer Wechselrichter-Ausgangsspannung von 0,60 kV ist Teil der Anlage. Das BESS kann nicht nur den Strom von Sol de Brotas 7, sondern auch Strom aus dem Netz und von anderen Erzeugungsanlagen, einschließlich Windkraft, speichern.
Faktencheck
- Kapazität: 1 MW / 5 MWh Batteriespeicher
- Standort: Uibai, Bahia, Brasilien
- Technologie: Lithium-Ionen-Batterien
- Netzanbindung: Teilt sich die Anbindung mit der Solaranlage Sol de Brotas 7
Die Rolle der Batteriespeicher
Sandoval Feitosa, der Generaldirektor von ANEEL, bezeichnete die Genehmigung als einen Moment großer Freude. Er betonte, dass Batteriespeicher eine mittel- und kurzfristige Lösung für die Herausforderungen bei der Integration variabler erneuerbarer Energiequellen (VRE) in das Stromnetz darstellen. Dieses Problem wird sich mit dem kräftigen Wachstum der erneuerbaren Energien in Brasilien weiter verschärfen, so Feitosa.
Die Integration von Wind- und Solarenergie stellt das Stromnetz vor große Aufgaben. Ihre Erzeugung schwankt je nach Wetterlage und Tageszeit. Batteriespeicher können diese Schwankungen ausgleichen, indem sie überschüssigen Strom speichern und dann abgeben, wenn er benötigt wird. Dies erhöht die Stabilität und Zuverlässigkeit der Energieversorgung.
„ANEEL hat unsere Mission erfüllt. Batterien sind eine mittel- und kurzfristige Lösung für das Problem der Integration variabler erneuerbarer Energiequellen in das Netz, ein Problem, das sich im Laufe der Zeit intensivieren wird."
Sandoval Feitosa, Generaldirektor von ANEEL
Regulierungsdilemma verzögert Fortschritt
Trotz der Begeisterung über das Projekt befindet sich die regulatorische Behandlung von Energiespeichern in Brasilien in einem Schwebezustand. Das aktuelle Projekt konnte nur genehmigt werden, weil es an eine bestehende Erzeugungsanlage gekoppelt ist und unter den dafür geltenden Vorschriften betrachtet werden konnte. ANEEL analysiert bereits seit 2019 die regulatorische Definition und Behandlung von Energiespeichern.
Im Jahr 2022 veröffentlichte die Regulierungsbehörde eine technische Notiz, die spezifische Regeln vorschlug. Diese sollten die technischen und wirtschaftlichen Merkmale der Speicherung im Netz anerkennen. Es gab öffentliche Konsultationen, und Ende 2022 wurde ein erstes eigenständiges BESS-Pilotprojekt mit 30 MW/60 MWh vom Übertragungsnetzbetreiber ISA CTEEP eingeweiht. Doch die Beratungen über die vorgeschlagenen Vorschriften stagnierten im April dieses Jahres.
Hintergrund: ANEEL und Energiespeicher
Die ANEEL (Agência Nacional de Energia Elétrica) ist die brasilianische Regulierungsbehörde für Elektrizität. Sie ist zuständig für die Regulierung, Überwachung und Genehmigung von Projekten im Stromsektor. Die Entwicklung eines klaren Regulierungsrahmens für Energiespeicher ist entscheidend, um Investitionssicherheit zu schaffen und das Potenzial dieser Technologie voll auszuschöpfen.
Forderungen nach schneller Klärung
Am 7. April wurden die Debatten über die Vorschläge wieder aufgenommen, nachdem im März eine erneute Einführung erfolgt war. Dies geschah auf Antrag des Vorstandsmitglieds Fernando Mosna. Doch kurz darauf forderte Direktor Willamy Frota eine erneute Überprüfung, und Generaldirektor Feitosa schlug sogar eine Wiedereröffnung der öffentlichen Konsultationen vor. Dies führte zu Frustration in der Branche.
Fabio Lima, der Direktor des nationalen Verbandes für Energiespeicherung (ABSAE), äußerte sich kritisch. Er betonte, dass es keine technische Rechtfertigung für weitere Verzögerungen gebe. Obwohl ABSAE das Recht der Vorstandsmitglieder auf Überprüfung anerkannte, sei der Prozess bereits reif und vom gesamten Vorstand Schritt für Schritt verfolgt worden. Die Motivation für eine weitere Verschiebung der Entscheidung sei schwer zu verstehen.
Laut einem ANEEL-Update vom 6. April stammen 84,81% der überwachten Stromkapazität Brasiliens aus erneuerbaren Quellen. Im ersten Quartal 2026 wurden 2,4 GW neue Stromerzeugungskapazität ins Netz eingespeist, davon 1,1 GW Solar-PV.
- Inflexibilität der Stromerzeugung: Energiespeicher können helfen, die starre Kopplung von Erzeugung und Verbrauch zu überwinden.
- Kürzung von Wind- und Solarstrom: Mehr als 20% der Wind- und Solar-PV-Erzeugungskapazität werden oft gekürzt, weil das Netz den Strom nicht aufnehmen kann.
- Risiko von Stromknappheit: Besonders in der Nacht und zu Spitzenlastzeiten besteht das Risiko von Engpässen.
- Steigende Stromkosten: Energiespeicher können zur Stabilisierung der Netze und damit zur Kostensenkung beitragen.
Lima betonte, dass Energiespeicher seit 2019 von ANEEL untersucht wurden, drei Diskussionsphasen durchlaufen und eine Stellungnahme der Bundesanwaltschaft erhalten haben, die alle Zweifel der Direktoren beseitigte. Eine Rückführung des Prozesses in die Phase der öffentlichen Konsultation würde irreparablen Schaden für den brasilianischen Stromsektor verursachen. ABSAE vertraut darauf, dass die Agentur ihren traditionellen Pioniergeist beibehalten und die Angelegenheit schnell vorantreiben wird.





