Australiens Energiesystem erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Im ersten Quartal 2026 haben Batteriespeichersysteme (BESS) im National Electricity Market (NEM) ihre Fähigkeit, Energie vom Tag in den Abend zu verlagern, mehr als verdreifacht. Dies geht aus dem jüngsten 'Quarterly Energy Dynamics'-Bericht des AEMO hervor. Die durchschnittliche Entladeleistung der Batterien erreichte in diesem Quartal 359 MW, ein signifikanter Anstieg gegenüber den 98 MW im Vorjahreszeitraum.
Dieser starke Zuwachs spiegelt die rasche Expansion der Energiespeicherinfrastruktur wider. Über 4.445 MW an neuen Großbatteriespeichersystemen wurden seit Ende des ersten Quartals 2025 in Betrieb genommen, was die gesamte installierte Speicherkapazität im NEM mehr als verdoppelt hat. Diese Entwicklung ist entscheidend für die Stabilität des Netzes und die Integration erneuerbarer Energien.
Wichtige Erkenntnisse
- Batterieentladung im NEM verdreifachte sich im Q1 2026 auf 359 MW.
- Über 4.445 MW neue Speichersysteme seit Q1 2025 in Betrieb genommen.
- Batterien setzen Preise in 32% der Handelsintervalle, verdrängen Wasserkraft.
- Großprojekte wie Orana BESS und Mortlake BESS starteten den Betrieb.
- Umsatz aus Energiearbitrage verdoppelte sich auf 93,9 Millionen AUD.
Massiver Ausbau der Speicherkapazitäten
Der Zuwachs an Batteriespeichersystemen ist beeindruckend. Seit Ende des ersten Quartals 2025 wurden im NEM 11.219 MWh an Speicherkapazität hinzugefügt. Dies führte zu einer deutlichen Verschiebung der Energienutzung: Die Tagesaufladung stieg um 872 MW, während die Entladung während der abendlichen Spitzenlast um 818 MW zunahm. Dies bedeutet, dass mehr Energie aus den sonnenreichen Stunden in Zeiten höherer Nachfrage verlagert wird.
Die Batteriespeicher lieferten während der Abendspitze 1.115 MW ins Netz. Am 7. Januar erreichte die Spitzenentladung einen Rekordwert von 3.556 MW in der halben Stunde vor 19:00 Uhr. Dies übertrifft den bisherigen Rekord aus dem vierten Quartal 2025 um 23 Prozent und zeigt die wachsende Leistungsfähigkeit dieser Systeme.
Faktencheck: Batteriespeicher im NEM
- Durchschnittliche Entladung Q1 2026: 359 MW
- Zuwachs an Kapazität seit Q1 2025: 4.445 MW (11.219 MWh)
- Gesamte installierte Kapazität Ende Q1 2026: über 8.000 MW
- Rekord-Spitzenentladung: 3.556 MW am 7. Januar
Neue Projekte treiben den Fortschritt voran
Im ersten Quartal 2026 begannen acht Batteriespeichersysteme ihren Betrieb im NEM. Zu den größten gehören das 415 MW/1.660 MWh Orana BESS in New South Wales, das 300 MW/650 MWh Mortlake BESS in Victoria und die 260 MW/1.090 MWh Supernode BESS Einheit 2 in Queensland. Diese Projekte tragen maßgeblich zur Erhöhung der Speicherkapazität bei. Bis zum Ende des Quartals überschritt die gesamte installierte Batteriespeicherkapazität, einschließlich in Betrieb genommener und noch im Bau befindlicher Anlagen, 8.000 MW.
Auswirkungen auf den Strommarkt und die Preise
Die verstärkte Präsenz von Batteriespeichern verändert die Dynamik des Strommarktes erheblich. In 32 Prozent der Handelsintervalle im NEM setzten Batteriespeicher die Preise. Damit verdrängten sie die Wasserkraft als die am häufigsten preisbildende Technologie. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für die Großhandelspreise.
Die durchschnittlichen Großhandels-Spotpreise im NEM sanken im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf durchschnittlich 73 AUD/MWh (ca. 51,97 USD/MWh). Dies ist ein deutliches Zeichen für die stabilisierende Wirkung der Batteriespeicher. Besonders die Abendspitzenpreise fielen, da die Entladung der Batterien die Abhängigkeit von Gas- und Wasserkraftwerken reduzierte. Allerdings wurde dieser Effekt teilweise durch höhere Tagespreise moderiert, da die Batterieladung häufiger die Preise bestimmte und somit die Häufigkeit negativer Preise in den nördlichen Regionen verringerte.
„Vor zwei Jahren benötigten wir 40 GWh Speicherkapazität bis 2030. Das ist jetzt auf 56 GWh gestiegen, allein durch die Solardurchdringung. Von den benötigten 56 GWh haben 12,5 GWh die finanzielle Investitionsentscheidung erreicht. 75 % dessen, was wir 2030 brauchen, ist heute noch nicht vorhanden.“
Wirtschaftliche Vorteile und Herausforderungen
Die geschätzten Einnahmen für netzgekoppelte Batteriespeichersysteme im NEM beliefen sich im Durchschnitt auf 96,9 Millionen AUD. Dies ist mehr als doppelt so viel wie die 44 Millionen AUD im ersten Quartal 2025. Der größte Teil dieser Einnahmen, nämlich 93,9 Millionen AUD, stammte aus dem Energiearbitrage-Geschäft, das 97 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachte. Ein Jahr zuvor waren es noch 88 Prozent.
Die Einnahmen aus Frequenzregelungs- und Hilfsdiensten (FCAS) gingen hingegen um 43 Prozent auf 3 Millionen AUD zurück und machten nur noch 3 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Die sinkende Preisvolatilität führte dazu, dass die NEM-weiten Batteriepreisspannen von 183 AUD/MWh im ersten Quartal 2025 auf 121 AUD/MWh sanken. Queensland und Victoria verzeichneten die stärksten Rückgänge bei den durchschnittlichen Preisspannen, während Südaustralien aufgrund von Volatilitätsereignissen einen Anstieg auf 328 AUD/MWh verzeichnete.
Hintergrund: Australiens National Electricity Market (NEM)
Der NEM ist einer der weltweit größten miteinander verbundenen Strommärkte, der die östlichen und südlichen Staaten Australiens versorgt. Er erstreckt sich über Tausende von Kilometern und ist entscheidend für die Energieversorgung von Millionen von Haushalten und Unternehmen. Der Übergang zu erneuerbaren Energien und Speichersystemen ist ein zentraler Bestandteil der australischen Energiestrategie.
Zukunftsaussichten und der Wandel der Energielandschaft
Die Pipeline für Batteriespeichersysteme in Australien wächst weiter rasant. Alleinstehende Batteriespeicherprojekte in der NEM-Anschlusspipeline stiegen von 20,5 GW im ersten Quartal 2025 auf 33,2 GW im ersten Quartal 2026. Dies entspricht einem Anstieg von 62 Prozent. Batteriespeicher machen nun 49 Prozent der insgesamt 67,3 GW an Projekten aus, die sich im Verbindungsprozess befinden.
Rund 74 Prozent der Batteriespeicherprojekte in der Pipeline verfügen über netzbildende Wechselrichter. Diese können wesentliche Systemdienstleistungen erbringen und die Netzstabilität aufrechterhalten, während die Kohleverstromung weiter zurückgeht. Der Bedarf an Speicherkapazität in New South Wales hat sich aufgrund der höheren Solardurchdringung von 40 GWh auf 56 GWh bis 2030 erhöht. Davon haben jedoch nur 12,5 GWh die finanzielle Investitionsentscheidung erreicht.
Erneuerbare Energien erreichen neue Rekorde
Im ersten Quartal 2026 lieferten erneuerbare Energien 46,5 Prozent der NEM-Erzeugung. Dies ist der höchste Anteil, der jemals für ein erstes Quartal verzeichnet wurde. Dieser Rekord wurde durch eine erhöhte Wind- und Solarenergieerzeugung ermöglicht. Die Leistung von netzgekoppeltem Solarstrom erreichte mit 2.706 MW einen neuen Quartalshöchstwert, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025. Die Windkraftleistung stieg um 9,3 Prozent auf durchschnittlich 3.845 MW.
Gleichzeitig sank die Kohleverstromung auf einen neuen Tiefststand für ein erstes Quartal mit 13.102 MW, ein Rückgang von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gasverstromung erreichte mit durchschnittlich 712 MW den niedrigsten Wert seit dem vierten Quartal 1999, 24 Prozent weniger als im ersten Quartal 2025.
- Anteil erneuerbarer Energien im NEM (Q1 2026): 46,5% (Rekord)
- Netzgekoppelte Solarleistung: 2.706 MW (+13%)
- Windkraftleistung: 3.845 MW (+9,3%)
- Kohleverstromung: 13.102 MW (-4,4%)
- Gasverstromung: 712 MW (-24%)
Der Spitzenbeitrag erneuerbarer Energien und Speicher im NEM erreichte am 7. Januar in der halben Stunde vor 11:30 Uhr 76,7 Prozent. Dies war 4,3 Prozent höher als im vorherigen ersten Quartal. Südaustralien stellte einen eigenen Rekord auf: Am 31. Januar erreichte der Beitrag erneuerbarer Energien und Speicher in der halben Stunde vor 15:00 Uhr 98,8 Prozent.
Entwicklungen im Wholesale Electricity Market (WEM) Westaustraliens
Auch im Wholesale Electricity Market (WEM) Westaustraliens zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Batterieentladung stieg um 108 MW. Dies wurde durch die Inbetriebnahme von 1.025 MW/4.100 MWh neuer Batteriespeichersysteme seit Ende des ersten Quartals 2025 vorangetrieben. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung stieg dort von 40,8 Prozent im ersten Quartal 2025 auf 46,1 Prozent. Diese Zahlen unterstreichen den landesweiten Trend zur Dekarbonisierung und zur Stärkung der Energiesicherheit durch Speichertechnologien.





