Appalachian Power (APCo) hat zwei Ausschreibungen (RFPs) für insgesamt bis zu 800 Megawatt (MW) Energiespeicherkapazität in Virginia, USA, veröffentlicht. Ziel ist es, die Anforderungen des Virginia Clean Economy Act (VCEA) zu erfüllen und die wachsende Energienachfrage im Bundesstaat zu decken. Die Frist für die Einreichung von Vorschlägen endet am 30. September 2026.
Wichtige Erkenntnisse
- APCo sucht bis zu 800 MW Batteriespeichersysteme (BESS).
- Zwei RFPs wurden veröffentlicht: 500 MW für den Erwerb von Projekten und 300 MW für Kapazitätskaufverträge.
- Projekte müssen sich in Virginia befinden und strenge Kriterien erfüllen.
- Die Initiative ist Teil der VCEA-Anforderungen für saubere Energie bis 2040 und 2045.
- Die steigende Energienachfrage durch Rechenzentren in Virginia treibt den Ausbau voran.
APCo sucht Batteriespeicher für Virginias Energiezukunft
Appalachian Power (APCo) treibt den Ausbau erneuerbarer Energien und Energiespeicher im US-Bundesstaat Virginia voran. Das Unternehmen hat am 17. August zwei "Requests for Proposals" (RFPs) gestartet. Diese zielen darauf ab, bis zu 800 MW an Batteriespeichersystemen (BESS) zu erwerben. Ein RFP betrifft bis zu 500 MW BESS-Kapazität durch den Kauf von 100% der Anteile an Projektgesellschaften. Der zweite RFP sucht bis zu 300 MW BESS-Kapazität über Kapazitätskaufverträge (CPAs).
Die Initiative ist eine direkte Antwort auf den Virginia Clean Economy Act (VCEA) von 2020. Dieser Gesetzestext verpflichtet APCo, bis 2040 780 MW Kurzzeit-Energiespeicher und bis 2045 520 MW Langzeit-Energiespeicher (LDES) zu beschaffen. Dominion Energy, ein weiteres großes Energieversorgungsunternehmen in Virginia, hat noch ehrgeizigere Ziele. Es soll bis 2045 16.000 MW Kurzzeit-Speicher und 3.480 MW LDES hinzufügen.
Fakten auf einen Blick
- Gesamtkapazität: Bis zu 800 MW BESS
- Frist für Vorschläge: 30. September 2026
- Gesetzliche Grundlage: Virginia Clean Economy Act (VCEA)
- APCo-Ziel VCEA (2040): 780 MW Kurzzeit-Speicher
- APCo-Ziel VCEA (2045): 520 MW Langzeit-Speicher
- Mindestkapazität pro Projekt: 5 MW / 20 MWh
Strenge Anforderungen an die Projektentwicklung
APCo legt Wert auf die Qualität und Reife der eingereichten Projekte. Laut den RFP-Dokumenten müssen alle Projekte physisch im Commonwealth of Virginia angesiedelt sein. Für Projekte, die sich noch in der Entwicklungsphase befinden, sind spezifische Nachweise erforderlich. Dazu gehören 100%ige Standortkontrolle, die Behebung von Landtitelmängeln und ein unterzeichneter Netzanschlussvertrag mit APCo oder PJM.
Zusätzlich müssen solche Projekte eine vorläufige technische Planung (10%), einen Genehmigungsplan und einen Phase-I-Umweltgutachtenbericht vorweisen. Für Projekte, die als "Build-Transfer"-Anlagen angeboten werden, ist eine vollständige, kommerziell betriebsbereite BESS-Anlage gefordert. Diese muss in der Lage sein, bis zum 15. Dezember 2030 Energie in das PJM- oder APCo-Verteilungsnetz einzuspeisen. Projekte mit späteren kommerziellen Betriebsdaten (COD) werden ebenfalls berücksichtigt.
"Jedes Entwicklungsprojekt, das in den RFP eingeht, muss 100%ige Standortkontrolle (einschließlich Wegerechte), behobene Landtitelmängel, einen unterzeichneten APCo- oder PJM-Netzanschluss- und Bauleistungsvertrag (falls zutreffend) haben, die vorläufige Planung (10%), den Genehmigungsplan und einen Phase-I-Umweltgutachtenbericht abgeschlossen haben."
Finanzielle Anreize und Genehmigungsverfahren
APCo sucht gezielt Projekte, die sich für den vollen Bundes-Produktionssteuergutschrift (PTC) oder den Investitionssteuergutschrift (ITC) qualifizieren. Dies soll die wirtschaftliche Attraktivität für Entwickler erhöhen. Alle ausgewählten Projekte unterliegen den erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Wenn ein Projekt in Virginia beheimatet ist, wird APCo eine Angemessenheitsprüfung bei der Virginia State Corporation Commission (VA SCC) beantragen. Anschließend wird eine Genehmigung für den Besitz und Betrieb der Anlage von der VA SCC und gegebenenfalls der West Virginia Public Service Commission (WV PSC) eingeholt.
Hintergrund: PJM und Virginias Energielandschaft
Virginia gehört zum Versorgungsgebiet von PJM, dem größten Großhandelsstrommarkt der USA. Der Bundesstaat verzeichnet eine stetig steigende Energienachfrage, hauptsächlich aufgrund des rapiden Ausbaus von Rechenzentren. Diese Entwicklung stellt das Stromnetz vor große Herausforderungen. PJM hat im Mai 2026 ein Weißbuch mit dem Titel "Powering Reliability Through Market Design" veröffentlicht. Darin werden drei Reformwege für den Markt skizziert, um die Beschaffung von Ressourcen, das Kostenmanagement und die Integration neuer Technologien wie BESS zu verbessern. Die Dringlichkeit dieser Reformen ist hoch, da die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage erheblich ist und die Zeit für Entscheidungen begrenzt ist.
Wachsende Nachfrage und Marktchancen
Die Notwendigkeit, die Energiespeicherinfrastruktur auszubauen, ist in Virginia offensichtlich. Die Expansion von Rechenzentren führt zu einem erhöhten Stromverbrauch und erfordert eine zuverlässige und flexible Energieversorgung. Experten sehen in dieser Entwicklung eine große Chance für Batteriespeichertechnologien.
Andrew Levitt, ein Experte für Großhandelsstrompolitik, betont die Bedeutung von BESS: "Ich denke, es ist eine großartige Gelegenheit für Batterien, unabhängig von diesem Papier und unabhängig vom Energiemarkt, einfach weil die Beschaffung von Ressourcen, die über den Kapazitätsmarkt hinausgehen muss, super wertvoll und wichtig sein wird."
Parallele Entwicklungen in Kalifornien
Auch an der Westküste der USA gibt es ähnliche Bestrebungen. Central Coast Community Energy (3CE), ein kalifornischer "Community Choice Aggregator" (CCA), hat ebenfalls einen RFP für neue oder bestehende Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien, gekoppelt mit BESS, sowie für eigenständige BESS veröffentlicht. Dieser RFP wurde ebenfalls am 17. August bekannt gegeben und sucht Angebote mit einer Kapazität von mindestens 20 MW aus fünf Produktkategorien.
Die Frist für die Einreichung von Vorschlägen bei 3CE ist der 25. September 2026. Diese Initiativen unterstützen die kalifornischen CCAs bei der Erfüllung des "Renewables Portfolio Standard" (RPS) des Staates. Dieser Standard verlangt, dass CCAs bis 2030 60% ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen und bis 2045 100% kohlenstofffreie Energie erreichen.
Die Zukunft der Energiespeicherung
Die Entwicklungen in Virginia und Kalifornien zeigen einen klaren Trend: Energiespeicher spielen eine immer wichtigere Rolle in der globalen Energiewende. Die Integration von BESS-Technologien ist entscheidend, um die Stabilität der Netze zu gewährleisten und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Die Branche bereitet sich auf weiteres Wachstum vor, und Veranstaltungen wie der "Battery Asset Management Summit USA 2026" in Kalifornien unterstreichen die Bedeutung dieses Sektors. Der Gipfel wird sich mit den Rollen von Künstlicher Intelligenz (KI), Cybersicherheit und Zweitverwertungsanwendungen befassen, was die Komplexität und die Innovationskraft der Branche widerspiegelt.
Die Bemühungen von APCo und anderen Energieversorgern sind entscheidend, um die ehrgeizigen Ziele für saubere Energie zu erreichen und eine zuverlässige Stromversorgung für die Zukunft zu sichern. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie schnell und effizient diese Speicherlösungen implementiert werden können.





