In einem bemerkenswerten Ereignis haben private Batteriespeichersysteme in Kalifornien am Abend des 9. September 2026 über 580 Megawatt (MW) Spitzenleistung in das Stromnetz eingespeist. Dies geschah über ein virtuelles Kraftwerk (VPP), das von Tesla und Sunrun betrieben wird. Die Aktion war die größte ihrer Art und lieferte genug Strom, um alle Haushalte in Sacramento County während der Spitzenlastzeiten zu versorgen.
Die koordinierte Entladung der Batteriespeicher erfolgte auf Anfrage der California Energy Commission (CEC) und der Versorgungsunternehmen. Hintergrund waren extreme Temperaturen, ein erhöhter Strombedarf und gestiegene Großhandelspreise für Energie. Ziel war es, die Betriebsreserven des Netzes zu erhöhen und den Echtzeit-Energiepreisen entgegenzuwirken.
Wichtige Erkenntnisse
- Über 580 MW Spitzenleistung aus privaten Batteriespeichern wurden ins kalifornische Netz eingespeist.
- Das Ereignis war die größte Entladung eines virtuellen Kraftwerks bisher.
- Tesla Powerwalls und andere Heimspeicher lieferten den Strom.
- Programme wie DSGS und ELRP koordinierten die Einspeisung.
- Solche Initiativen können bis 2028 Einsparungen von 206 Millionen US-Dollar ermöglichen.
Rekord-Einspeisung aus privaten Haushalten
Die 580 MW entladener Kapazität setzten sich aus 517 MW von Tesla Powerwalls und 63 MW von weiteren Batteriespeichersystemen zusammen. Insgesamt nahmen etwa 110.000 Powerwalls an diesem Ereignis teil. Mehr als die Hälfte dieser Powerwalls werden von Sunrun betrieben. Sunrun koordinierte auch die Einspeisung von über 30.000 Batterien anderer Hersteller.
Diese beeindruckende Leistung unterstreicht das Potenzial dezentraler Energiesysteme. Sie können das Stromnetz in kritischen Phasen stabilisieren. Die beteiligten Batterien waren über den gesamten Bundesstaat verteilt. Kunden aus allen drei Gebieten der staatlich regulierten Versorgungsunternehmen nahmen teil.
Faktencheck
- 580 MW: Die insgesamt eingespeiste Spitzenleistung.
- 110.000: Die Anzahl der beteiligten Tesla Powerwalls.
- 30.000+: Die Anzahl der von Sunrun koordinierten Batterien anderer Hersteller.
- 3 Stunden: Die Dauer der abendlichen Entladung.
Koordination durch staatliche Programme
Die Entladung wurde durch zwei landesweite Netzserviceprogramme koordiniert. Das Demand Side Grid Support (DSGS)-Programm der CEC und das Emergency Load Reduction Program (ELRP) der California Public Utilities Commission (CPUC) spielten dabei eine zentrale Rolle.
Der DSGS-Einsatz wurde ausgelöst, als der Day-Ahead Locational Marginal Price des California Independent System Operator (CAISO) 200 US-Dollar pro MWh überschritt. Der ELRP-Einsatz wurde vom Versorgungsunternehmen PG&E in Abstimmung mit der Hitzewelle für Batteriespeicher in seinem Gebiet angefordert. Dies zeigt, wie flexibel diese Systeme auf Marktbedingungen und Notfälle reagieren können.
„Die Fähigkeit, in kritischen Momenten Hunderttausende private Batteriespeicher zu mobilisieren, ist ein Wendepunkt für die Netzstabilität und die Energiewende in Kalifornien.“
Noch größeres Potenzial
Das Ereignis vom 9. September umfasste nicht die zusätzlichen Batteriespeicher der Unternehmen, die am ELRP-Programm im Gebiet von Southern California Edison (SCE) teilnehmen. Dies deutet darauf hin, dass noch größere Entladungsereignisse aus den kombinierten Flotten möglich sind.
Am folgenden Abend, dem 10. September, forderte SCE eine dreistündige Entladung während der Spitzenzeiten an. Sunrun und Tesla lieferten dabei über 140 MW Batteriekapazität an das Netz. Hätten die Entladungsereignisse beider Abende gleichzeitig stattgefunden, hätten die Unternehmen über 720 MW in einem einzigen Einsatz liefern können. Dies verdeutlicht das massive, noch ungenutzte Potenzial dieser Technologie.
Hintergrund der virtuellen Kraftwerke
Virtuelle Kraftwerke (VPPs) bündeln dezentrale Energiequellen wie private Solaranlagen und Batteriespeicher. Sie werden zentral gesteuert und können bei Bedarf Strom ins Netz einspeisen oder den Verbrauch reduzieren. Dies hilft, das Netz zu stabilisieren, Spitzenlasten abzufedern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.
Wirtschaftliche Vorteile für Kalifornien
Ein Bericht der Beratungsfirma The Brattle Group, im Auftrag von Sunrun und Tesla erstellt, zeigt die finanziellen Vorteile solcher Programme auf. Demnach könnten sie Kaliforniern bis 2028 Netto-Kosteneinsparungen von bis zu 206 Millionen US-Dollar bescheren.
Diese Einsparungen würden allen an das Netz angeschlossenen Kunden zugutekommen. Teilnehmer, die ihren Strom mit dem Netz teilen, erhalten zudem eine direkte Vergütung. Dies schafft einen Anreiz für Haushalte, sich an solchen Programmen zu beteiligen und aktiv zur Energiewende beizutragen.
Zukunftspläne und neue Initiativen
Das jüngste Entladungsereignis bestätigt eine bestehende Initiative von Sunrun, Tesla und der Energiemanagementplattform Renew Home. Ziel ist es, über 16,8 GW flexible Kapazität für Hyperscaler und Versorgungsunternehmen aus Heimbatterien, Solaranlagen, intelligenten Thermostaten und Elektrofahrzeugen zu erschließen.
Die drei Unternehmen haben bereits angekündigt, fast 21.000 bestehende flexible Energiegeräte in ein neues, von Google finanziertes dezentrales Kraftwerk mit PG&E aufzunehmen. Diese Ressource soll bereits im Herbst 2026 das Netz unterstützen. Solche Partnerschaften sind entscheidend für den Ausbau und die Integration dezentraler Energielösungen.
Politische Weichenstellungen
In Kalifornien wurden diesen Monat zwei Gesetzentwürfe im Zusammenhang mit virtuellen Kraftwerken verabschiedet:
- Senate Bill 905: Dieses Gesetz würde eine Messgröße für die Netzauslastung schaffen. Damit soll der Lastfaktor über jedes Segment des Verteilungsnetzes des Staates gemessen werden.
- Senate Bill 913: Dieses Gesetz würde die CPUC anweisen, eine Bewertungsmethodik für kundennahe Batteriespeichersysteme zu entwickeln. Diese Methode soll die Stromexporte ins Netz während Zeiten der Systembelastung bewerten.
Es wird erwartet, dass Gouverneur Gavin Newsom beide Gesetze unterzeichnen wird. Gleichzeitig hat seine Regierung jedoch Bemühungen blockiert, die Finanzierung des DSGS-Programms zu verlängern. Dies zeigt die Komplexität und die oft widersprüchlichen Interessen im Bereich der Energiepolitik.
Die Entwicklung in Kalifornien ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie private Haushalte und dezentrale Technologien eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung und Modernisierung der Stromnetze spielen können. Die Kombination aus technologischem Fortschritt, wirtschaftlichen Anreizen und politischer Unterstützung ebnet den Weg für eine robustere und nachhaltigere Energieversorgung.





