Japan treibt den Ausbau seiner Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) mit Hochdruck voran. Aktuelle Vereinbarungen zwischen HD Renewable Energy (HDRE) und Tokyo Gas markieren einen wichtigen Schritt in dieser Entwicklung. Die Projekte in der Präfektur Aomori sollen die Kapazität des Landes deutlich erhöhen und die Energiewende unterstützen.
Wichtigste Punkte
- HDRE und Tokyo Gas kooperieren bei zwei großen BESS-Projekten in Aomori.
- Tokyo Gas verdoppelt sein Ziel für BESS-Kapazität auf 2 GW bis Anfang der 2030er Jahre.
- Projekte erhalten 20-jährige Kapazitätszahlungen durch staatliches Auktionsprogramm.
- Kleinere 2MW/8MWh-Anlagen dominieren weiterhin den japanischen Markt.
- Katastrophenschutz ist ein wichtiger Treiber für BESS-Einführung in Japan.
Tokyo Gas setzt auf massiven Ausbau
Der japanische Energieversorger Tokyo Gas hat seine Ambitionen im Bereich der Batteriespeichersysteme (BESS) deutlich erhöht. Das Unternehmen plant nun, bis Anfang der 2030er Jahre eine Betriebskapazität von 2 Gigawatt (GW) zu erreichen. Dies ist eine Verdopplung des bisherigen Ziels von 1 GW bis zum Geschäftsjahr 2030.
Bereits in den letzten zwei Jahren hat Tokyo Gas Projekte mit einer Gesamtkapazität von 955 Megawatt (MW) auf den Weg gebracht, seit dem Einstieg in diesen Markt. Die Strategie des Unternehmens umfasst die Entwicklung eigener BESS-Projekte, den Bezug von Kapazitäten Dritter und Optimierungsdienstleistungen.
„Die Verdopplung unserer Zielkapazität unterstreicht unser Engagement für eine nachhaltige Energiezukunft und die Stärkung der Netzstabilität in Japan.“
Faktencheck
- Tokyo Gas strebt 2 GW BESS-Kapazität an.
- 800 MW davon sollen unternehmenseigene Projekte sein.
- 200 MW sollen durch Optimierungsdienste für Hochspannungs-Netzbatterien bereitgestellt werden.
Neue Projekte in Aomori mit HD Renewable Energy
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Expansionsstrategie ist die Partnerschaft mit dem taiwanesischen Entwickler HD Renewable Energy (HDRE). Beide Unternehmen gaben am 16. April die Unterzeichnung eines Vertrags für zwei große Projekte in der Präfektur Aomori bekannt. Diese umfassen ein 99 MW BESS-Projekt und eine weitere 50 MW-Anlage in Hachinohe City und Towada City.
HDRE wird für die Entwicklung und den Bau dieser Systeme verantwortlich sein. Tokyo Gas übernimmt anschließend den Betrieb. Die finanzielle Vereinbarung sieht vor, dass Tokyo Gas über einen Zeitraum von 20 Jahren Zahlungen an HDRE leistet.
Langfristige Stabilität durch staatliche Auktionen
Die Projekte in Aomori profitieren von dem japanischen Regierungsprogramm „Long-Term Decarbonization Auction (LTDA)“. Dieses Programm, das von der nationalen Vereinigung der Netzbetreiber OCCTA verwaltet wird, sichert den Anlagen 20-jährige vertragliche Kapazitätszahlungen zu. Dies bietet den Investoren eine hohe Planungssicherheit.
Hintergrund: LTDA-Programm
Das LTDA-Programm soll den Ausbau von Dekarbonisierungstechnologien fördern. Es garantiert Betreibern von Energiespeichersystemen feste Kapazitätszahlungen über einen langen Zeitraum. Eine Besonderheit ist, dass 90% der im Großhandelsmarkt erzielten Einnahmen an die OCCTA zurückgeführt werden müssen.
Zusätzlich zu den LTDA-Verträgen werden die Projekte Einnahmen aus dem Großhandelsstrommarkt und den Märkten für Angebots- und Nachfrageanpassung generieren. HDRE hat sich in den ersten beiden Jahren des Auktionsprogramms bereits 400 MW Kapazität gesichert. Die aktuellen Aomori-Projekte erhöhen die gemeinsame Vertragskapazität von HDRE und Tokyo Gas auf insgesamt 340 MW, einschließlich bestehender Tolling-Verträge für 190 MW in vier weiteren Präfekturen.
Der japanische BESS-Markt: Kleine Schritte und große Pläne
Obwohl es große Projekte wie die in Aomori gibt, dominieren in Japan derzeit kleinere Netzbatterien den Markt. Typische Anlagen haben eine Leistung von 2 MW und eine Kapazität von 8 MWh. Der Markt hat sich erst vor wenigen Jahren durch neue Vorschriften geöffnet, die die Teilnahme an den Strommärkten und die Kombination von Einnahmen aus dem JEPX-Großhandelsmarkt und Regelenergie ermöglichen.
Viele Marktteilnehmer testen den Markt mit relativ kleinen Front-of-the-Meter (FTM)-Projekten. Dies liegt teilweise an der begrenzten Landverfügbarkeit und den Einschränkungen bei Netzanschlüssen.
Aktuelle Entwicklungen kleinerer Projekte
In der vergangenen Woche wurden mehrere neue 2MW/8MWh-Projekte als in Betrieb befindlich, geplant oder im Bau befindlich bekannt gegeben:
- Hulic: Der Immobilienentwickler plant zwei Projekte in den Präfekturen Saga und Hyogo, die von Sungrow geliefert und im Juli 2026 in Betrieb gehen sollen. Dies ist Teil eines 10-Jahres-Investitionsplans von 100 Milliarden JP¥ (etwa 623,9 Millionen US$) in Batteriespeicher zwischen 2024 und 2034.
- Tokyu Denki & Gas: Dieser Einzelhandelsstromversorger wird noch vor Monatsende ein ähnlich großes Projekt in Omaezaki, Präfektur Shizuoka, in Betrieb nehmen. Weitere Projekte in den Präfekturen Mie (Mai) und Gunma (Juni) folgen. Die Projekte sollen auch die Dekarbonisierung des Eisenbahnbetriebs des Tokyu-Konzerns unterstützen, darunter die Tokyu Setagaya Line in Tokio, die mit 100% erneuerbarer Energie versorgt werden soll.
- Nippon Chikudenchi (Japan Storage Battery Co.): Das Unternehmen unterzeichnete einen Vertrag mit der Stadt Iwata, Präfektur Shizuoka, für ein BESS zum Katastrophenschutz. Ein geplantes 8MWh-System könnte rund 470 Haushalte für drei Tage versorgen, basierend auf einem durchschnittlichen Bedarf von 17 kWh für 72 Stunden pro Zwei-Personen-Haushalt. Ein weiteres 2MW/8MWh-System, integriert von TMEIC mit CATL-Batterien, wurde am 13. April in der Präfektur Gifu in Betrieb genommen.
- RE100 Electric Power: Dieser Entwickler gab zwei neue 2MW-Projekte und eine 100MW-Co-Entwicklungsvereinbarung bekannt. Zudem startet das Unternehmen einen neuen batteriegestützten Optimierungsdienst für Solar-PV-Anlagen in den Versorgungsgebieten von Shikoku Electric Power und Tohoku Electric Power, um die Abregelung von Großsolaranlagen zu minimieren.
Katastrophenschutz als treibende Kraft
Neben der Integration in den Strommarkt ist der Katastrophenschutz ein entscheidender Faktor für die Einführung von BESS in Japan. Das Land ist häufig von Naturkatastrophen betroffen, weshalb eine zuverlässige Notstromversorgung von großer Bedeutung ist. Die Fähigkeit, kritische Infrastrukturen und Haushalte auch bei längeren Stromausfällen zu versorgen, macht Batteriespeicher zu einer attraktiven Lösung.
Die jüngste Vereinbarung zwischen Nippon Chikudenchi und der Stadt Iwata ist ein klares Beispiel dafür, wie BESS-Technologie direkt zur öffentlichen Sicherheit und Resilienz beiträgt. Solche Systeme können in Krisenzeiten lebenswichtige Energie liefern, wenn das reguläre Netz ausfällt.
Die Kombination aus ambitionierten Zielen großer Energieversorger, staatlichen Förderprogrammen und dem Bedarf an Katastrophenschutz schafft ein dynamisches Umfeld für den Ausbau der Batteriespeichertechnologie in Japan. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie schnell das Land seine Energiespeicherziele erreichen und damit seine Energiewende vorantreiben kann.





