Die explosionsartige Zunahme von Batteriespeichersystemen (BESS) in Europa stellt die Branche vor neue Herausforderungen. Während der Bau neuer Anlagen rasant voranschreitet, hinken Asset Management, Betrieb und Wartung (O&M) sowie die Nutzung von Daten oft hinterher. Experten betonen die Notwendigkeit, diesen Bereich stärker zu priorisieren, um die langfristige Leistung und Wirtschaftlichkeit der Speicher zu sichern.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Bau von Batteriespeichern wächst dreimal schneller als deren Betrieb und Wartung.
- Es mangelt an qualifizierten Technikern und Asset Managern für BESS.
- Batteriespeicher generieren hundertmal mehr Daten als Photovoltaikanlagen.
- Datenbasierte Betriebsführung ist entscheidend für Optimierung und Lebensdauer.
- Standardisierte Verträge für langfristige Wartung müssen flexibler werden.
Herausforderungen im Betrieb von Batteriespeichern
Die Technologie hinter Batteriespeichersystemen ist nicht neu und profitiert von Erfahrungen aus der Photovoltaik. Viele Komponenten sind ähnlich, und die grundlegende Verwaltung mehrerer Standorte ist technisch machbar. Doch die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich der Batteriespeicher gilt als noch relativ unreif.
Simon Slapka, Geschäftsführer für Datendienste bei BayWa r.e., einem führenden Entwickler und Dienstleister im Bereich erneuerbare Energien, wies auf der Fachmesse Smarter E Europe in München auf die Diskrepanz hin. Hersteller und Systemintegratoren konzentrieren sich primär auf den Bau und Verkauf größerer Anlagen. Der Betrieb und die Wartung erhalten dabei oft nicht die nötige Priorität.
„Der Bau und Verkauf von Anlagen wächst dreimal schneller als der eigentliche Betrieb der Assets“, erklärte Slapka. „Die größte Herausforderung ist derzeit, dass es nicht genügend Techniker und erfahrene Asset Manager gibt, die in der Lage sind, die Risiken von Batteriespeichern richtig einzuschätzen und entsprechend zu handeln.“
Diese Unreife führt dazu, dass Asset Manager bis zu 40 Prozent ihrer Zeit mit der Behebung von Problemen verbringen, die durch Systemintegratoren und OEMs verursacht werden. Dazu gehören verspätete oder ungeladene Batterielieferungen, unausgeglichene Systeme oder sogar irreversible chemische Schäden.
Faktencheck: Datenflut bei BESS
Batteriespeichersysteme erzeugen problemlos hundertmal mehr Daten als vergleichbare Photovoltaikanlagen. Jede einzelne Zelle sendet Informationen im Sekundentakt. Diese enorme Datenmenge birgt ein enormes Optimierungspotenzial.
Das Alfeld-Projekt als Beispiel
BayWa r.e. hat kürzlich einen Achtjahresvertrag für den Betrieb des 137 MW/282 MWh Batteriespeichersystems in Alfeld, Niedersachsen, erhalten. Dieses Projekt, das sich im Besitz des Investors Scale Fund befindet und im dritten Quartal dieses Jahres in Betrieb gehen soll, könnte bei seiner Fertigstellung das größte in Deutschland sein. Der Auftrag unterstreicht die wachsende Bedeutung spezialisierter Dienstleistungen im Bereich des Batteriebetriebs.
Das Unternehmen ist für das technische Asset Management zuständig, während der Hersteller des Batteriespeichers ein Langzeit-Serviceabkommen (LTSA) für den Container selbst verantwortet. BayWa r.e. übernimmt alles, was außerhalb des Containers liegt, einschließlich der umfassenden Datenanalyse und der Einhaltung hoher Cybersicherheitsstandards.
Trennung von Asset Management und O&M
Es ist wichtig, die verschiedenen Rollen im Betriebsmanagement klar zu definieren. Asset Management und O&M sind zwei unterschiedliche Bereiche. Innerhalb des Asset Managements gibt es das technische Asset Management, das sich auf die Betriebsparameter eines BESS-Projekts konzentriert, und das Portfolio- oder Finanz-Asset Management, das eher von der Investorenseite wahrgenommen wird.
Technische Asset Manager, wie sie BayWa r.e. bereitstellt, tauchen tief in die Details ein. Sie prüfen jede Zelle im Container auf Ungleichgewichte oder Temperaturprobleme. Finanzielle Asset Manager hingegen betrachten oft 20 bis 30 Anlagen und konzentrieren sich ausschließlich auf die finanzielle Performance.
Hintergrund: Langzeit-Serviceabkommen (LTSA)
Ein LTSA wird typischerweise zwischen dem Eigentümer eines BESS-Projekts und dem Hersteller des Speichers abgeschlossen. Es deckt die Wartung des Batteriecontainers ab. Für alles andere, wie das umfassende O&M und das technische Asset Management der gesamten Anlage, wird oft ein Drittanbieter hinzugezogen.
Die Rolle der Daten und Cybersicherheit
Die Fähigkeit von BayWa r.e., enorme Datenmengen zu verarbeiten, war ein entscheidender Faktor für den Gewinn des Alfeld-Vertrags. Simon Slapka betont, dass sein Unternehmen den Batteriebetrieb aus einer datenorientierten Perspektive angeht, anstatt nur traditionelle O&M-Dienste anzubieten. Dies ermöglicht es, die riesigen Datenmengen zu interpretieren und strenge Cybersicherheitsanforderungen zu erfüllen.
Batterien sind aktive Systeme, die ein Echtzeitmanagement erfordern. Fertigungsfehler und Zellungleichgewichte sind nahezu unvermeidlich. Ein umfassender Datenzugriff ermöglicht jedoch die Optimierung von Anfang an – die Balance zwischen Umsatzgenerierung über verschiedene Märkte hinweg und der Maximierung der Anlagenlebensdauer.
- Echtzeitmanagement: Batteriespeicher sind keine passiven Anlagen, sie müssen ständig überwacht und angepasst werden.
- Fehlererkennung: Daten helfen, Fertigungsfehler oder Zellungleichgewichte frühzeitig zu erkennen.
- Optimierung: Durch Datenanalyse kann die Leistung optimiert, die Degradation verlangsamt und die Lebensdauer der Anlage verlängert werden.
- Cybersicherheit: Der Schutz dieser sensiblen Daten vor unbefugtem Zugriff ist von höchster Bedeutung und wird oft von spezialisierten Drittanbietern übernommen.
Slapka sieht großes Potenzial in einer besseren Datennutzung in der Branche. Die Komplexität von BESS bietet ein deutlich höheres Optimierungspotenzial als andere erneuerbare Technologien. Wer Daten versteht und nutzen kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Flexibilität bei Serviceverträgen
BayWa r.e. rät seinen Kunden, Vertragsklauseln in LTSAs aufzunehmen, die es ihnen ermöglichen, den Vertrag nach bestimmten Schwellenwerten – etwa nach zwei, fünf oder acht Jahren – zu kündigen. Dies ermöglicht flexiblere Entscheidungen, sobald genügend Daten über die Anlage gesammelt wurden und eine präzisere Vorhersage der Verfügbarkeit, Leistung und Degradation möglich ist.
Diese Flexibilität ist entscheidend, um auf neue Erkenntnisse und technologische Fortschritte reagieren zu können. Die Branche entwickelt sich schnell, und starre Verträge könnten langfristig Nachteile mit sich bringen. Eine datengestützte Entscheidungsfindung ermöglicht es den Betreibern, ihre Anlagen optimal zu verwalten und die Investitionsrendite zu maximieren.
Die Zukunft des Betriebs von Batteriespeichersystemen liegt in der intelligenten Nutzung von Daten. Nur wer die Flut an Informationen verstehen und in Handlungen umsetzen kann, wird die volle Leistung und Langlebigkeit dieser wichtigen Technologie für die Energiewende ausschöpfen können.





