Ab dem 18. Februar 2027 müssen alle Batterien, die eine Kapazität von mehr als 2 kWh aufweisen, einen digitalen Produktpass besitzen. Diese EU-weite Vorschrift markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft und Transparenz. Der Pass wird als QR-Code zugänglich sein und detaillierte Informationen über den gesamten Lebenszyklus einer Batterie liefern.
Wichtige Punkte
- Digitaler Batteriepass wird ab Februar 2027 für Batterien über 2 kWh Pflicht.
- Der Pass enthält rund 75 Datenpunkte, von Herstellung bis Recycling.
- Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und Fälschungen zu bekämpfen.
- Große Hersteller sind vorbereitet, kleinere und mittlere Unternehmen stehen vor Herausforderungen.
- Das System wird sich nach der Einführung weiterentwickeln und zusätzliche Daten erfordern.
Einblick in den digitalen Batteriepass
Der digitale Produktpass ist eine Art digitale Geburtsurkunde für jede Batterie. Er wird über einen scannbaren QR-Code zugänglich sein, der zu einer URL führt. Diese URL enthält umfangreiche Informationen, die für die gesamte Lebensdauer der Batterie relevant sind. Experten sehen darin den Beginn einer Revolution im Datenmanagement und in der Kreislaufwirtschaft für alle Produkte.
Ken Davies, Chief Commercial Officer bei DigiProd Pass, einem Anbieter von digitalen Produktpässen (DPP), und Programmleiter der Battery & Energy Storage Tech Expo in Barcelona, betonte die Bedeutung dieser Entwicklung. Er erklärte, dass die Batteriepässe zwei Hauptzwecke erfüllen.
Faktencheck: Datenpunkte im Batteriepass
- Anzahl der Datenpunkte: Rund 75
- Statische Daten: Rohmaterialien, Herstellungsprozesse
- Dynamische Daten: Reparaturen, Verkäufe, Recyclinghistorie, Leistungsmetriken des Batteriemanagementsystems
Ziele des EU-Batteriepasses: Recycling und Authentizität
Der primäre Grund für die Einführung dieser Pässe liegt im Recycling. Unternehmen, die am Ende des Lebenszyklus von Batterien beteiligt sind, erhalten durch den Pass spezifische Informationen über jede einzelne Batterie. Diese Daten sind leicht über den QR-Code abrufbar und umfassen Details zur gesamten Lebensdauer der Batterie.
Davies erläutert:
„Die Batterie stellt tatsächlich den Beginn einer kompletten Revolution in Bezug auf Daten und Kreislaufwirtschaft bei allen Produkten dar.“Dies ermöglicht es Recyclern, effizienter und sicherer zu arbeiten, da sie genau wissen, welche Materialien und Zustände sie vorfinden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bekämpfung von Fälschungen und die Sicherstellung der Legitimität von Produkten. Der Pass gibt den Behörden einen klaren Überblick darüber, wo und wie ein Produkt hergestellt wurde. Dies hilft, die Herkunft zu verfolgen und sicherzustellen, dass es sich um ein echtes Produkt handelt.
Hintergrund: Die EU-Batterieverordnung
Die Einführung des digitalen Batteriepasses ist Teil der neuen EU-Batterieverordnung. Diese Verordnung zielt darauf ab, die Nachhaltigkeit von Batterien über ihren gesamten Lebenszyklus zu verbessern. Sie umfasst Anforderungen an Design, Produktion, Kennzeichnung, Sammlung, Recycling und die Wiederverwendung von Batterien. Die Vorschrift gilt für alle Batterietypen, von kleinen Gerätebatterien bis hin zu großen Industriebatterien und Batterien für Elektrofahrzeuge.
Herausforderungen für Unternehmen
Während große Hersteller und Organisationen bereits weit fortgeschritten in der Umsetzung der EU-Anforderungen sind, stehen mittelständische Unternehmen oft vor größeren Herausforderungen. Viele von ihnen verfügen nicht über die gleichen Ressourcen im Bereich Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.
Davies berichtet von zahlreichen Anfragen, die sein Unternehmen von diesen Firmen erhält. Er betont jedoch, dass kein Grund zur Panik besteht. Unternehmen sollten innerhalb von etwa zwei Monaten ein System zur Passgenerierung implementiert haben. Ideal wäre es, wenn diese Systeme bereits Ende des Jahres einsatzbereit wären, um den Stichtag im Februar 2027 nicht zu knapp zu erreichen.
Drei Prioritäten für die Compliance
Um die Compliance zu gewährleisten, nennt Davies drei Schlüsselprioritäten:
- Daten: Welche Daten müssen erfasst werden?
- Datenübertragung: Wie werden diese Daten übertragen und in welchem Format?
- Betriebsabläufe: Wann und wie sollen die Daten im Produktionsprozess angewendet werden?
Die Datenübertragung und das benötigte Format, auch Schema genannt, können von jedem Anbieter von Batteriepässen bereitgestellt werden. Dies soll den Übergang für Unternehmen erleichtern.
Langfristige Entwicklung und Zukunftsperspektiven
Der digitale Batteriepass ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein sich entwickelnder Mechanismus. Nach der Einführung im Februar 2027 werden in den folgenden Monaten weitere Elemente hinzugefügt. Ein Beispiel hierfür ist die CO2-Bilanzinformation, die derzeit noch nicht zwingend erforderlich ist, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Monate nach der Einführung des Passes verpflichtend wird.
Davies verdeutlicht:
„Was von den Regulierungsbehörden angekündigt wurde, ist ein recht einfaches System, um es in Betrieb zu nehmen. Es wird sich entwickeln.“Dies bedeutet, dass Unternehmen sich nicht darauf verlassen sollten, dass die anfänglichen Anforderungen die einzigen bleiben. Es wird immer mehr Informationen geben, die in den DPP aufgenommen werden müssen.
Auch wenn der ursprüngliche Hersteller einer Batterie nicht mehr existieren sollte, bleibt die Information zugänglich. Die Daten werden in einem separaten EU-Register gespeichert, und ein Drittanbieter bewahrt ebenfalls alle Informationen auf. Dadurch ist sichergestellt, dass die Daten zur Batterie jederzeit verfügbar sind.
Die Einführung des Batteriepasses ist ein erster, aber entscheidender Schritt in einer großen Revolution. Es wird erwartet, dass sich dieses System kontinuierlich weiterentwickelt und die Transparenz und Nachhaltigkeit in der Batterieindustrie maßgeblich prägt.





