Der von der Bundesregierung eingeführte Tankrabatt ist nach Einschätzung des ifo Instituts nur teilweise bei den Verbrauchern angekommen. Besonders bei Dieselkraftstoff lag die Weitergabe des Steuernachlasses deutlich unter dem erwarteten Wert. Diese Erkenntnisse stehen im Widerspruch zu früheren Aussagen der Mineralölwirtschaft.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Tankrabatt wurde bei Diesel nur zu durchschnittlich 12 Cent pro Liter weitergegeben, obwohl die Steuer um 16,7 Cent gesenkt wurde.
- Bei Super E5 und Super E10 erfolgte die Weitergabe mit 17 bzw. 16 Cent pro Liter nahezu vollständig.
- Das ifo Institut schätzt, dass ein Teil der 1,6 Milliarden Euro teuren Maßnahme bei den Mineralölkonzernen verblieb.
- Mit dem Auslaufen des Tankrabatts Anfang Juli werden die Kraftstoffpreise voraussichtlich wieder steigen.
Unterschiedliche Effekte bei Diesel und Superbenzin
Die Analyse des Münchner ifo Instituts zeigt, dass der Tankrabatt nicht einheitlich an die Autofahrer weitergegeben wurde. Während Fahrer von Superbenzin nahezu vollständig von der Steuersenkung profitierten, sah die Situation bei Diesel anders aus.
Für Dieselkraftstoff wurde bis zum 25. Juni eine durchschnittliche Weitergabe von lediglich 12 Cent pro Liter ermittelt. Dies liegt deutlich unter der Steuersenkung von 16,7 Cent pro Liter. Das bedeutet, dass ein beträchtlicher Teil des Rabatts nicht bei den Endverbrauchern ankam.
Anders war es bei den Sorten Super E5 und Super E10. Hier errechnete das Institut eine Weitergabe von 17 beziehungsweise 16 Cent pro Liter. Diese Werte liegen sehr nah am Betrag der Steuersenkung.
„Damit wurde der Tankrabatt beim Superbenzin nahezu vollständig an die Autofahrer weitergegeben“, erklärt Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft.
Faktencheck Tankrabatt
- Steuersenkung Diesel: 16,7 Cent/Liter
- Tatsächliche Weitergabe Diesel: ca. 12 Cent/Liter
- Steuersenkung Super E5/E10: ca. 17 Cent/Liter
- Tatsächliche Weitergabe Super E5/E10: ca. 16-17 Cent/Liter
- Gesamtkosten der Maßnahme: 1,6 Milliarden Euro
Kosten und die Rolle der Mineralölkonzerne
Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt eingeführt, um die Bürger angesichts hoher Kraftstoffpreise zu entlasten. Die Maßnahme war mit Kosten von rund 1,6 Milliarden Euro verbunden. Die ifo-Forscher sind der Ansicht, dass das Auslaufen des Rabatts richtig ist, da ein Teil der Subvention nicht wie beabsichtigt bei den Verbrauchern ankam.
Doktorand Christian Gréus vom ifo Institut merkt kritisch an:
„Die unvollständige Weitergabe beim Diesel bedeutet, dass ein Teil davon bei den Mineralölkonzernen gelandet ist.“Dies deutet darauf hin, dass die Entlastungswirkung für die Steuerzahler geringer ausfiel als geplant, während die Unternehmen möglicherweise profitierten.
Die Ergebnisse des ifo Instituts stehen im Gegensatz zu Aussagen des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie (en2x). Dieser hatte in der Vergangenheit betont, der Steuerrabatt sei vollständig weitergegeben worden. Auch eine Untersuchung der Monopolkommission kam zu dem Ergebnis, dass der Rabatt nicht vollständig weitergegeben wurde, wenngleich die genauen Zahlen leicht abwichen.
Hintergrund der Untersuchung
Das ifo Institut nutzte für seine Abschätzung einen Vergleich mit den Spritpreisen in Frankreich. Dieser Ansatz sollte helfen, normale Preisentwicklungen, wie etwa durch sinkende Ölpreise, vom spezifischen Effekt des Tankrabatts abzugrenzen. So konnten die Forscher den tatsächlichen Einfluss der Steuersenkung auf die Endpreise besser isolieren.
Ausblick auf die Kraftstoffpreise
Mit dem Ende des Tankrabatts Anfang Juli wird wieder mit steigenden Kraftstoffpreisen gerechnet. Die Entwicklung wird maßgeblich vom globalen Ölpreis beeinflusst.
„Wie hoch es geht, wird vor allem von der Entwicklung des Ölpreises abhängen. Da dieser zuletzt gesunken ist, haben auch die Kraftstoffpreise nachgegeben“, erklärt Ramona Schmid vom ifo-Institut.
Sollten sich die Ölpreise weiterhin moderat entwickeln oder sogar sinken, könnten die Auswirkungen des auslaufenden Rabatts abgemildert werden. Eine mögliche Einigung zwischen den USA und dem Iran könnte ebenfalls zu einer Normalisierung der Kraftstoffpreise beitragen, da dies das globale Ölangebot beeinflussen würde.
Die Politik steht vor der Herausforderung, auf starke Preisanstiege schnell zu reagieren. Union und SPD hatten bereits angekündigt, bei Bedarf Maßnahmen zu ergreifen. Die Erfahrungen mit dem Tankrabatt zeigen jedoch, dass die Mechanismen der Preisweitergabe komplex sind und nicht immer direkt zum Vorteil der Verbraucher wirken.
Konsequenzen für Autofahrer
- Ab Juli ist mit höheren Preisen an den Tankstellen zu rechnen.
- Die tatsächliche Preiserhöhung hängt stark von der Entwicklung des Rohölpreises ab.
- Verbraucher sollten die Preise weiterhin genau beobachten und gegebenenfalls günstigere Tankzeiten nutzen.
Die Diskussion um die Wirksamkeit staatlicher Entlastungsmaßnahmen bleibt aktuell. Die Analyse des ifo Instituts liefert wichtige Daten für zukünftige politische Entscheidungen im Bereich Energie und Verbraucherschutz.





